Fairphone 4 im Test

Fairphone 4 im Test

Das Fairphone 4 ist das einzige Smartphone, das mit dem blauen Umweltengel ausgezeichnet wurde. Unser Test verrät, was es sonst noch zu bieten hat.

Es ist tatsächlich das erste elektroschrott-neutrale Smartphone der Welt, und auch sein CO2-Fußabdruck dürfte konkurrenzlos sein. Die Reparatur gestaltet sich kinderleicht, Ersatzteile können über den Online-Shop des Herstellers bezogen werden. Auch die fünfjährige Garantielaufzeit und der Software-Support bis Ende 2027 machen das Fairphone 4 zum wahr gewordenen Traum jedes Umweltaktivisten. Ob allerdings auch die Masse bereit ist, für ein nachhaltig und fair produziertes Smartphone doppelt so viel Geld auszugeben wie für ein vergleichbares Mittelklasse-Handy? Das halten wir für unwahrscheinlich.

Das Fairphone 4 ist hübscher als seine Vorgänger, aber immer noch meilenweit vom Prädikat „sexy“ entfernt. Das Gehäuse ist klobig, die Display-Ränder sind sehr breit, und auch sonst wirkt das Design anachronistisch. Wann haben Sie zuletzt ein Handy mit Plastikrücken und herausnehmbarem Akku gesehen?

Insofern könnte man das Fairphone durchaus mit einem Mobiltelefon aus dem vergangenen Jahrzehnt verwechseln, aber es wäre unfair, diesen Umstand zu kritisieren. „Einfach reparierbar“ bedeutet nämlich, dass die Komponenten nicht miteinander verklebt sein dürfen, und das macht eine superschlanke Bauweise quasi unmöglich.

Robuster Alltagshelfer

Ehrlich gesagt fühlt sich die Rückseite aus 100 Prozent recyceltem Plastik wirklich gut an: angenehm griffig und ein sicheres Gefühl vermittelnd. Sie müssen also keine Angst haben, dass Ihnen das Fairphone 4 versehentlich aus den Händen gleitet. Auch sonst wirkt das Gerät langlebig und solide verarbeitet, wobei man aufgrund des nachhaltigen Designs auf Wasserdichtigkeit verzichten muss. Wenigstens ist es IP54-zertifiziert und somit spritzwassergeschützt. Die Buttons fühlen sich ebenfalls hochwertig an und vermitteln einen angenehmen Druckpunkt. Der in die Power-Taste integrierte Fingerabdrucksensor reagiert schnell und zuverlässig.

Der niederländische Hersteller behauptet, dass sämtliche Komponenten mit einem simplen Schraubenzieher ausgebaut und ersetzt werden können – ohne technische Vorkenntnisse. Wir haben das im familiären Umfeld getestet und können diese Aussage bestätigen: Selbst eine 78-jährige Seniorin hatte keinerlei Probleme, das Smartphone zu öffnen, da nur einige Schrauben gelöst werden müssen. Zudem lässt sich die Rückseite ohne Kraftaufwand öffnen und der Akku mit wenigen Handgriffen entfernen. Für eine Ersatzbatterie verlangt Fairphone übrigens nur 30 Euro, während Display oder Kameramodul mit je 80 Euro zu Buche schlagen. Selbst ein heftiger Display-Bruch kostet also maximal 80 Euro und ein paar Minuten Zeit. Besitzer eines iPhone 13 oder eines Samsung Galaxy S22 dürfen von solchen Reparaturpreisen nicht einmal träumen.

Technisches Mittelmaß

Fairphones waren nie für anspruchsvolle Gamer, Hobbyfotografen oder Technik-Avantgardisten gedacht. Ganz gleich, ob Prozessor, Kamera, Akkulaufzeit oder Display – die jeweilige Performance bewegt sich stets im soliden Mittelfeld. Der Achtkernprozessor ist für alltägliche Tasks potent genug und dank 5G, eSIM sowie NFC wirkt das Fairphone 4 relativ zukunftssicher. Der große LCD-Touchscreen ist weder besonders hell noch besonders farbenfroh, dafür bietet er aber auch keine negativen Auffälligkeiten. Bei normalen Lichtverhältnissen liefert die Kamera ordentliche Schnappschüsse und die Qualität der 4K-Videos geht ebenfalls in Ordnung. Das Fairphone 4 leistet sich also keine gravierenden Schnitzer und liefert in allen Bereichen grundsolide Ergebnisse.

Das Einzige, was bei diesem Smartphone wirklich hervorsticht, ist das faire und nachhaltige Konzept.

Es gibt deutlich bessere und günstigere Mittelklasse-Geräte, aber man sollte nicht vergessen, dass dieses Smartphone für eine Nutzungsdauer von rund sieben Jahren ausgelegt ist und der Hersteller eine fünfjährige Garantie gewährt. Auf die Nutzungszeit heruntergerechnet relativiert sich der vermeintlich hohe Einstiegspreis von 563 Euro sehr schnell.

Angesichts dieser Tatsache stellt sich die Frage, ob man das Fairphone 4 überhaupt nach klassischen Maßstäben bewerten kann. Vielleicht sollte der Hersteller über ein Premium-Modell mit Top-Kamera, High-End-Display und Turbo-Prozessor nachdenken, um auch anspruchsvolle Technik-Fans wie uns zu begeistern. Tatsächlich würden wir lieber 1.000 Euro für ein sehr gutes Fairphone Pro auf den Tisch legen und auch höhere Ersatzteilpreise in Kauf nehmen, als fast 600 Euro für ein mittelprächtiges Gerät zu bezahlen.

Fazit: Das konsequent umgesetzte Umwelt-Commitment des Herstellers ist bewundernswert. Wer zugunsten der Nachhaltigkeit auf High-End-Leistung und Top-Kamera verzichten kann, dürfte mit dem Fairphone 4 sehr glücklich werden. Es überzeugt durch robuste Verarbeitung, einfache Reparierbarkeit, fünf Jahre Garantie und sehr langen Software-Support.

Fairphone 4

» Display: 6,3 Zoll FHD+
» Kameras: 48/48/25 MP
» CPU: Snapdragon 750G
» Speicher: 6 GB/128 GB (8 GB/256 GB)
» OS: Android 11
» Akku: 3.905 mAh
» Features: Dual-SIM, microSD, USB-C, WLAN ac, BT 5.1, NFC, IP54
» Maße: 162 x 75,5 x 10,5 mm » 225 g
» Preis: ca. € 563,–

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