OLED TV LG 55EG960 im Test

OLED TV LG 55EG960 im Test

OLED-TVs liefern satte Schwarzwerte, kräftige Farben und Top-Kontraste. Alles über die Display-Revolution im Allgemeinen und den LG 55EG960V im Speziellen. Der Test.

Seit Plasma-Fernseher ausgestorben sind, dominiert LCD den Markt. Was früher die „Röhre“ war, ist heute der LCD-Fernseher. Doch da gab es noch so eine vielversprechende Technologie … Organische Leuchtdioden (Organic Light Emitting Diodes), kurz OLEDs, teilen sich bei Smartphone-Displays den Markt schon seit Jahren mit herkömmlichen LCDs.

Allerdings spielten sie bei größeren Diagonalen lange kaum eine Rolle. Es gab zwar immer wieder Prototypen und Anläufe, etwa von Sony und Samsung, doch erst jetzt beginnt LG, OLED-TVs in nennenswerten Stückzahlen – und zu einigermaßen leistbaren Preisen – auf den Markt zu bringen. Dabei stehen die Südkoreaner erst am Beginn ihrer OLED-Offensive. In den kommenden zwei Jahren will der Konzern umgerechnet 8,2 Milliarden Euro in eine Fabrik zur Herstellung von entsprechenden Displays für Fernseher und Smartwatches stecken.

Die Vorzeichen für die nächste Revolution am Displaymarkt stehen gut. Die OLED-Technologie verspricht sattere Farben, höhere Kontraste und größere Betrachtungswinkel. Herkömmliche LCD-Fernseher arbeiten mit einer Hintergrundbeleuchtung und Flüssigkristallen, die je nach angelegter Spannung mehr oder weniger Licht durchlassen. Farbige Filter sorgen dafür, dass das Licht bzw. jeder einzelne Bildpunkt seine Farbe erhält.

Bei aktuellen Geräten sind LEDs für die Hintergrundbeleuchtung zuständig. Der Nachteil ist, dass stets die gesamte Anzeigefläche ausgeleuchtet werden muss. Die Flüssigkristalle lassen außerdem immer eine gewisse Restmenge an Licht durch, sodass „Schwarz“ nie ganz schwarz ist und auch der Kontrast seine Grenzen hat. Die Hersteller behelfen sich mit Local Dimming – eine Funktion, bei der die für die Hintergrundbeleuchtung zuständigen LEDs in mehrere Gruppen zusammengefasst werden, die ihre Helligkeit individuell regeln können.

Ob bzw. um wie viel besser das Bild dabei aussieht, hängt stark vom Bildinhalt ab. Es können nämlich nur gewisse Bildteile grob abgedunkelt werden. Außerdem findet man Local Dimming nur in wenigen, entsprechend teureren LCD-Fernsehern.

OLEDs hingegen sind selbstleuchtend. Jeder einzelne Bildpunkt strahlt selbst Licht ab. Bei „klassischen“ OLED-Geräten besteht jeder Bildpunkt aus drei farbigen Subpixeln. Dadurch sind ex-
trem hohe Kontraste möglich. Gleichzeitig lassen sich auch sehr intensive Farben darstellen und HDR-Inhalte („High Dynamic Range“) anzeigen. Ein weiterer Vorteil ist, dass OLED-Displays durch das Wegfallen der Hintergrundbeleuchtung schlanker gebaut werden können als LCDs. Das Problem ist jedoch, dass die roten, grünen und blauen Subpixel unterschiedlich schnell altern, was mit der Zeit zu Helligkeitsverlusten und Farbverfälschungen führt.

LG geht deshalb einen anderen Weg. Die OLEDs strahlen hier in Weiß, die Farben werden über RGB-Farbfilter erzeugt. Im Endeffekt ähnelt diese Funktionsweise jener von gewöhnlichen LCD-Fernsehern, jedoch kann hier jeder einzelne Bildpunkt die Helligkeit ändern und komplett abdunkeln – sozusagen das perfekte Local Dimming.

Wie gut das klappt, beweist der neue LG 55EG960V, den wir stellvertretend für TV-Geräte mit OLED-Technologie getestet haben. Die Bildqualität des 55-Zöllers mit gebogenem Display kann man nur als großartig bezeichnen. Weiße Flächen strahlen hell und homogen. Der Kontrast ist top – ganz so, wie man es von einem OLED-Display erwartet.

Die Farben sind kräftig, aber nicht unnatürlich. Selbst wenn man seitlich auf den Fernseher blickt, ändert sich der Bildeindruck nur minimal. Da helfen den LCD-Geräten auch Local Dimming, Quantenpunkte und sonstige Tricks nichts, an die Bildqualität des OLED-Fernsehers kommen selbst die besten unter ihnen nicht heran.

Auch bei Bedienung und Zusatzfunktionen überzeugt der LG auf ganzer Linie, und das liegt vor allem am hauseigenen Betriebssystem WebOS. Das stammt eigentlich aus der Smartphone-Ecke, wurde aber von LG für Smart-TVs adaptiert. Während die Oberfläche auf älteren Geräten gelegentlich zu kleinen Rucklern und Wartezeiten neigt, läuft WebOS auf dem 55EG960V absolut flüssig. Die installierten Apps werden in der unteren Bildhälfte als Kärtchen angezeigt. Das hat den Vorteil, dass das aktuelle TV-Bild weiterhin zu sehen ist und es keinen Bruch zwischen TV- und OS-Bild gibt.

Bei den Apps findet man Must-haves wie YouTube, diverse Mediatheken, Netflix, Amazon Prime Video und seit kurzem Google Play Movies & TV. Das restliche App-Angebot ist überschaubar. Gesteuert wird alles über die Magic Remote, eine Fernbedienung mit eingebautem Bewegungssensor. Menüpunkte und Schaltflächen lassen sich damit ähnlich auswählen wie mit dem Wii-Controller.

Beim Ton schafft der 55EG960V nicht ganz die Glanzleistung, die er beim Bild vollbringt. Wie man schon ahnt, kann ein derart flaches Gehäuse keinen voluminösen Sound liefern. Der Sound ist zwar klar, jedoch bassarm und nicht sehr räumlich. Wer Kinostimmung haben möchte, sollte daher richtige Lautsprecher oder zumindest eine Soundbar anschließen – aber das gilt für die meisten modernen Flach-TVs genauso.

Unterm Strich ist das Bild bei einem Fernseher natürlich weit wichtiger als der Ton. Wir können den LG 55EG960V jedem empfehlen, der in dieser Hinsicht das derzeit Beste haben möchte – und das nötige Kleingeld besitzt. Knapp 3.600 Euro muss man für den Top-OLED-TV hinlegen.

Es geht übrigens noch teurer – aber auch günstiger. Rechts stellen wir Ihnen weitere Geräte aus dem aktuell noch überschaubaren Angebot an OLED-Geräten vor. Dabei landet man stets bei den Koreanern. Panasonic – der einzige Hersteller, der sonst noch einen aktuellen OLED-Fernseher im Angebot hat – verbaut ebenfalls LG-Panels.

LG 55EG960V

➜ 55-Zoll-OLED-TV (140 cm)
➜ Auflösung: 3.840 x 2.160 Pixel
➜ DVB-T/T2/C/S/S2
➜ 3x HDMI, 2x USB, WLAN
➜ 122,6 x 76 x 21,3 cm, 18,9 kg
Preis: ca. € 2.800,-

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