Xiaomi Pocophone F1 im Test

Xiaomi Pocophone F1 im Test

Der chinesische Hersteller Xiaomi ist dafür bekannt, gute Smartphones zu besonders niedrigen Preisen auf den Markt zu bringen. Das vor wenigen Wochen präsentierte Pocophone F1 verspricht Oberklassen-Ausstattung zu einem Preis aus der unteren Mittelklasse. Wir haben uns angesehen, ob die Rechnung aufgeht.

Geht es um den ersten Eindruck, kann das Pocophone F1 schon beim Betrachten Pluspunkte sammeln. Das optisch schlicht gehaltene Smartphone ist sehr gut verarbeitet. Die matte Kunststoffrückseite wirkt weniger edel als Glas, dafür muss man sich nicht über Fingerabdrücke ärgern. Der LCD-Bildschirm misst 6,18 Zoll und hat eine Auflösung von 2.246 x 1.080 Pixeln. Den schmalen seitlichen Displayrahmen und die Einkerbung („Notch“) auf der Oberseite kennt man mittlerweile zwar von vielen anderen Smartphones, modern wirkt das Design aber nach wie vor. Die Darstellungsqualität ist gut, jedoch nicht so gut wie bei Oberklasse-Geräten der Konkurrenz. Das liegt daran, dass der Schwarzwert des LCD-Bildschirms nicht mit OLED-Displays mithalten kann und die Helligkeit nur durchschnittlich ist.

Beeindruckende Hardware

Wer sich das Datenblatt des Pocophone F1 durchliest, könnte durchaus meinen, es hier mit einem teuren Flaggschiff zu tun zu haben. Mit dem Snapdragon 845 ist der aktuell schnellste Prozessor von Qualcomm eingebaut. 6 GB RAM und 64 GB Speicher können sich ebenfalls sehen lassen, wobei Letzterer per microSD-Karte erweiterbar ist. Im Alltag gibt sich das Pocophone F1 keine Blöße und reagiert stets schnell und verzögerungsfrei. Abgerundet wird die gute Ausstattung durch flottes WLAN ac, Bluetooth 5.0, USB-Typ-C-Anschluss und die Unterstützung für schnelles Laden (Quickcharge 3.0). Praktischerweise hat Xiaomi auch an einen Kopfhöreranschluss gedacht. Irgendwo musste jedoch der Rotstift angesetzt werden – in diesem Fall hat es die NFC-Funktion erwischt. Wer mit dem Smartphone per NFC bezahlen möchte oder den Sensor anderweitig benötigt, muss sich nach einem anderen Gerät umsehen. Was ebenfalls fehlt, ist die Unterstützung für kabelloses Laden sowie ein wasserdichtes Gehäuse.

Der Fingerabdrucksensor zum Entsperren des Smartphones ist auf der Rückseite untergebracht. Im Test funktionierte das Entsperren schnell und zuverlässig. Das Pocophone F1 hat sogar einen Infrarot-Gesichtsscanner, mit dem das Gerät per Gesichtserkennung entsperrt werden kann. Dieser ist hierzulande jedoch noch nicht freigeschaltet, weshalb man ihn aktuell nicht verwenden kann.

Der 4.000 mAh starke Akku erwies sich im Test als solide. Bei durchschnittlicher Benutzung (täglich rund eine Stunde telefonieren, zwei bis drei Stunden surfen und gelegentlich chatten) hielt das Pocophone F1 gute zwei Tage durch.

Marginale Schönheitsfehler

In Sachen Betriebssystem darf man sich über ein recht aktuelles Android 8.1 freuen, dem Xiaomi seine eigene MIUI-Oberfläche übergestülpt hat. Nach kurzer Einarbeitungszeit findet man sich gut mit der Menüstruktur zurecht, trifft aber gelegentlich auf Einstelloptionen, die noch nicht vom Englischen ins Deutsche übersetzt wurden. Der Einkerbung an der Oberseite des Displays geschuldet sind auch einige Einschränkungen bei der Benachrichtigungszeile. Teilweise werden Symbole nicht angezeigt, und auch über den Akkustand informiert nur ein kleines Batteriesymbol ohne Prozentangaben. Ein weiterer kleiner Nachteil: Aufgrund eines nicht unterstützten Kopierschutzes spielt das Smartphone kommerzielle Streaming-Inhalte wie jene von Netflix und Amazon nur in 540p-Auflösung und nicht in HD ab. YouTube ist nicht betroffen.

Die Dual-Cam ist besser, als man es bei diesem Preis erwarten würde. Bei genug Licht schießt die 12-Mpx-Kamera gute, scharfe Bilder. Bei wenig Licht reduziert sich die Bildqualität aber sichtbar. Die Zweitkamera auf der Rückseite sorgt bei Porträtaufnahmen dafür, dass der Effekt von geringer Schärfentiefe simuliert und der Hintergrund unscharf dargestellt wird. Das funktioniert meistens, aber nicht immer gut – ganz so wie auch bei Apple, Samsung und Co.

Fazit: Bis auf kleinere Abstriche bei der Darstellungsqualität des Bildschirms, die nicht sehr gute Kamera sowie die fehlende NFC-Funktion hat Xiaomi mit dem Pocophone F1 ein hervorragendes Smartphone abgeliefert. Der Preis ist aktuell unschlagbar – kein anderes 340-Euro-Smartphone kann auf den Top-Prozessor von Qualcomm zurückgreifen und verfügt über eine ähnlich gute Ausstattung. Daran ändern auch fehlende Extras wie die Unterstützung für kabelloses Laden oder ein wasserdichtes Gehäuse nichts. Wer mit den Negativpunkten leben kann und die fehlenden Funktionen nicht vermisst, hat wenig Grund, mehr für ein Smartphone-Flaggschiff auszugeben.

Xiaomi Pocophone F1

➜ 6,18"-LC-Display (2.246 x 1.080 Pixel)
➜ Android 8.1, LTE, WLAN ac, BT 5.0
➜ 6 GB RAM, 64 GB Speicher, Dual-SIM
➜ CPU: 4 x 2,8 & 4 x 1,8 GHz (SDM845)
➜ Kameras: 12/5 Mpx, 20 Mpx (vorne)
➜ USB Typ-C, microSD, Quick Charge
➜ 155,5 x 75,2 x 8,8 mm, 182 g
➜Preis: ca. € 340,–

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