LG G6 im Test

LG G6 im Test

Nach dem Flop mit dem Vorgängermodell besinnt sich LG wieder auf alte Stärken: Gutes Display, Top-Verarbeitung sowie eine spannende Dual-Kamera sollen aus dem G6 ein würdiges Flaggschiff machen.

Smartphone-Hersteller haben immer das Bummerl. Probieren sie etwas Neues aus, um sich von der Konkurrenz abzuheben, besteht immer die Gefahr, damit ordentlich auf die Nase zu fallen. So geschehen bei LG und dem Vorjahresflaggschiff G5. Das modulare Konzept samt Erweiterungen war zwar eine tolle Idee, doch ließen dürftige Verarbeitung und wenige, uninteressante Zubehörmodule Nummer 5 bald in der Versenkung verschwinden. Ergo lautet die neue Strategie: Schluss mit Experimenten beim Top-Modell und zurück zu klassischen Funktionen. Wir haben uns angesehen, ob der Plan beim neuen LG G6 aufgegangen ist.

Und tatsächlich, bei der Verarbeitung haben die Koreaner ihre Hausaufgaben gemacht. Das G6 vermittelt einen sehr hochwertigen Eindruck, der speziell durch den Metallrahmen, die Glasrückseite und die sauberen Spaltmaße verstärkt wird. Zudem ist es IP68-zertifiziert und somit wasser- und schmutzresistent. Unter diesen Umständen ist es nicht gar so schlimm, dass der Akku nicht mehr austauschbar ist – ein Alleinstellungsmerkmal früherer G-Modelle. Ebenfalls schade ist, dass auf der Vorderseite „nur“ das vier Jahre alte Gorilla Glass 3 und nicht wie auf der Rückseite die widerstandsfähigere 5er-Variante verwendet wurde. Doch das scheint nur eine von vielen „Sparmaßnahmen“ zu sein: So etwa gibt es die hochwertige Audio-Ausstattung (Quad-DAC) nur für Geräte, die auf dem koreanischen Markt angeboten werden, und die kabellose Ladefunktion für das G6 haben lediglich US-Modelle an Bord.

Die restliche Ausstattung ist gut, wenn auch nicht top. LG verwendet als Prozessor den aus dem Vorjahr bekannten Snapdragon 821 – den neuen und etwas schnelleren Snapdragon 835 hat sich Gerüchten zufolge Samsung zuerst für die US-Version des Galaxy S8 gesichert. Der Prozessor bietet aber dennoch mehr als genug Leistung, Ruckler oder Wartezeiten gibt es keine.

4 GB RAM sind mittlerweile in Top-Modellen Standard, während es beim 32 GB großen Speicher ruhig die doppelte Menge sein hätte können. Immerhin lässt er sich via microSD-Karte erweitern. Der Akku reichte im Test (ca. zwei Stunden Surfen, mehrmaliges Telefonieren und Chatten täglich) für 1,5 Tage – Durchschnitt.

So ganz ohne Innovationen ist es bei LG aber dennoch nicht abgelaufen. Konkret geht es um den Bildschirm, der nun ein 18:9-Format aufweist und somit länglicher ist als bei bisherigen LG-Smartphones. In der Hinsicht ähnelt das G6 stark dem Samsung Galaxy S8. LG schafft es dadurch, einen großen 5,7-Zoll-LCD-Bildschirm zu verbauen, während das Phone trotzdem gut mit einer Hand bedienbar bleibt. Auch sonst überzeugt das Display. Es ist scharf, hell, bietet eine gute Farbwiedergabe und unterstützt sogar HDR-Darstellung sowie Dolby Vision. Einzig die Blickwinkelstabilität ist nur durchschnittlich. Beim Surfen ist das 18:9-Format durchaus praktisch, dafür muss man aber beim Betrachten von Videos die seitlichen schwarzen Balken in Kauf nehmen.

Eine weitere Besonderheit ist die Dual-Kamera auf der Rückseite. Beide Sensoren arbeiten mit 13 Megapixeln, jedoch ist die Brennweite der Optik unterschiedlich. Eine Linse ist besonders weitwinkelig, während die andere eine gewöhnliche Brennweite besitzt. In der Kamera-App erhält man dadurch so etwas wie einen Weitwinkel-Zoom. Bei Fotos, die mit normaler Brennweite aufgenommen wurden, ist die Bildqualität hervorragend – unabhängig von den Lichtverhältnissen. Die Weitwinkel-Kamera schießt nicht ganz so gute Bilder, da sie weniger lichtempfindlich ist. Dennoch ist die Qualität gut. Im Endeffekt dürfte man in der Praxis primär die normale Kamera nutzen und bei Bedarf auf das Weitwinkel-Modell zurückgreifen.

Fazit: Das G6 ist ein würdiges Flaggschiff und spielt wieder in derselben Liga wie Samsung und Apple, vom Thron stoßen kann es das Galaxy S8 aber nicht. Das größte Problem ist der Preis. 750 Euro sind viel Geld, ähnlich viel kostet das S8, welches jedoch das bessere Display und stärkere Hardware bietet. Demgegenüber stehen beim G6 die Dual-Kamera und der besser erreichbare Fingerabdrucksensor. Wer besonderen Wert auf einen dieser Punkte legt, macht mit dem G6 nichts falsch.

LG G6

➜ 5,7"-LCD (2.880 x 1.440 Pixel, HDR)
➜ Android 7.0, LTE, WLAN ac, BT 4.2, NFC
➜ 4 GB RAM, 32 GB Speicher, microSD-Slot
➜ CPU: 2x 2,35 & 2x 1,60 GHz (Snapdragon 821)
➜ 13-Mpx-Dual-Kamera (normal & weitwinkel)
➜ Akku: 3.300 mAh, UKW-Radio, IP68
➜ 148,9 x 71,9 x 7,9 mm, 163 g
➜ Preis: ca. € 600,–