Apple MacBook Pro vs. Microsoft Surface Book

Apple MacBook Pro vs. Microsoft Surface Book

Freunde werden sie in diesem Leben wohl nicht mehr: Apple und Microsoft sind sich seit Jahrzehnten in erbitterter Feindschaft verbunden. Bisher galt: Microsoft beherrscht die Computerwelt, Apple sorgt für Innovationen und ein schickes Design. Vor allem Kreative setzen auf Geräte mit dem angebissenen Apfel. Das könnte sich aber ändern, denn Microsoft wildert in Apples ureigener Domäne, bei den hochpreisigen Laptops – und das mit einigem Erfolg. Kann Microsofts Surface Book dem etablierten MacBook Pro den Rang ablaufen? Wir wollten es wissen.

Der ganz große Wurf ist Apple mit dem jüngsten Update des MacBook Pro nicht gelungen – dabei sitzt dem Konzern aus Cupertino mittlerweile eine hartnäckige Konkurrenz im Nacken: Microsoft. Ausgerechnet!

Viele Branchenbeobachter haben sich im Herbst vergangenen Jahres verwundert die Augen gerieben, als Apple und Microsoft jeweils die Neuauflagen ihrer High-End-Laptops präsentierten. Apple spendierte seinem 2016er-MacBook-Pro zwar mit der „Touch Bar“ ein interessantes neues Feature, blieb aber in puncto Neuerungen recht zurückhaltend.

Ja, die neuen Pro-Books sind dünner und leichter als ihre Vorgänger. Allerdings müssen Nutzer auf beliebte Anschlüsse wie MagSafe und den SD-Kartenleser verzichten. Statt klassischer USB-A- und HDMI-Anschlüsse gibt es nur mehr bis zu vier Thunderbolt-3-Ports, die auch USB Typ C unterstützen. Dafür kann das MacBook Pro jetzt per Touch ID entsperrt werden – ein Feature, das im Windows-Lager aber schon seit Jahren an der Tagesordnung ist. Abnehmbarer Bildschirm, Touchscreen, Stifteingabe? Fehlanzeige! All diese Features hat stattdessen Microsofts neues Surface Book an Bord, das nicht nur aus diesem Grund angeblich jede Menge Apple-Fans zum Wechsel in die Microsoft-Welt bewegen konnte. Einzig mit der angesprochenen OLED-Leiste macht Apple einen kleinen Schritt in Richtung Touch-Bedienung. Je nach (unterstütztem) Programm werden darauf passende Symbole bzw. Bedienelemente angezeigt. Praktisch? Durchaus. Am eigentlichen Bedienkonzept ändert sich damit aber wenig: Es ist nach wie vor ein „klassisches“ Maus/Tastatur-Gerät, auf dem man sich nur gelegentlich den Weg mit dem Mauszeiger erspart und stattdessen auf die Touch Bar tippt.

Microsoft nennt das vor eineinhalb Jahren erstmals vorgestellte Surface Book den „ultimativen Laptop“. Das Gerät kann als klassisches Notebook, als Tablet-PC sowie als digitaler Notizblock verwendet werden. Dazu wird der Touchscreen aus der Verankerung gehoben und einzeln benutzt oder umgedreht auf das Tastatur-Teil gesteckt. Ein weiteres Feature, das viele MacBook-Pro-Nutzer vermissen, ist der Eingabestift. Selbst bei der Akkulaufzeit kann das Surface Book seinen Apple-Rivalen schlagen. Alles zusammen macht aus dem Gerät ein universell einsetzbares Werkzeug. Egal ob man sich einen Film am Touchscreen ansieht, diesen hochkant hält und ein PDF-Dokument durchblättert, mit dem Stift Fotos bearbeitet oder das Surface Book mit umgedrehtem Display für Präsentationen nutzt: Microsoft will alle Szenarien abdecken. Das Ziel ist dabei klar: Statt Desktop, Laptop und Tablet zu nutzen, soll ein Gerät ausreichen, das alle Funktionen vereint.

Möglich wird das aber nicht nur dank moderner Technik, sondern auch aufgrund der Software. Mit Windows 8 hat Microsoft seinerzeit das Betriebssystem auf Touch-Bedienung ausgerichtet – und ist deutlich übers Ziel hinausgeschossen, was zu vielen verärgerten Benutzern klassischer Desktop-PCs geführt hat. Doch mit Windows 10 hat man nun ein System geschaffen, das beide Bedienwelten – Maus/Tastatur und Touch – vorzeigbar unter einen Hut bringt.

Wer seit Jahren mit einem MacBook Pro arbeitet und mit dem leistungsfähigen Laptop zufrieden ist, der wird auch wieder zum MacBook Pro greifen. Wer mit Windows-Geräten aufgewachsen ist, bleibt sicher gern dabei. Ein Wechsel von der einen auf die andere Seite ist jedoch längst keine Entscheidung für die Ewigkeit mehr. Das liegt hauptsächlich daran, dass Windows mittlerweile ähnlich stabil wie Mac OS läuft und Nutzer die wichtigsten Anwendungen auf beiden Betriebssystemen verwenden können. Word oder Excel etwa sind dank Office 365 sowohl am MacBook als auch auf Windows-Laptops zugänglich. Die Cloud-Anbindung ermöglicht ein systemübergreifendes Arbeiten. Auch die von vielen Kreativen benutzten Adobe-Programme laufen auf beiden Systemen identisch. Auf der anderen Seite könnte Microsofts Touch-Unterstützung durchaus dafür sorgen, dass Touchscreens im Windows-Lager zum Standard werden. Das wiederum würde zu Software führen, die auf Apple-Laptops nicht lauffähig ist. Wer bei Apple Touchscreen-Programme will, muss stattdessen zum iPad greifen.

Beide Laptops haben ihre Stärken und ihre Schwächen. Und: Beide – und das ist vielleicht der entscheidende Faktor – sind sehr teuer. Preisbewusste Apple-Fans dürften daher ihr aktuelles MacBook so lange wie möglich nutzen und erst nach Jahren wieder zu einem neuen Modell greifen. Wer hingegen einen Windows-Laptop kaufen will, hat neben dem Surface Book die Wahl unter vielen weitaus günstigeren Alternativen – sowohl in klassischer Notebook-Form als auch als 2-in-1-Gerät mit Touchscreen.

Der Kampf um die Vorherrschaft im hochpreisigen Laptop-Segment wird daher in Zukunft wohl weniger zwischen den beiden Herstellern und ihren Systemen als vielmehr in Abgrenzung zu den günstigeren Geräten stattfinden. Microsoft wird in puncto Innovationen nachlegen und uns weiter überraschen, während Apple – wie es aktuell aussieht – es auch weiterhin meiden wird, seine Anhänger mit ausgefallenen Features zu „verunsichern“.

Apple MacBook Pro

➜ 13,3"-Display (2.560 x 1.600 P.)
➜ CPU: 2,9 GHz Dual‑Core i5 Turbo Boost (bis zu 3,3 GHz)
➜ Grafik: Intel Iris Graphics 550
➜ 8 GB RAM, 512 GB SSD
➜ WLAN ac, BT 4.2,
➜ 4x Thunderbolt 3 (USB C)
➜ 30 x 21 x 1,5 cm, 1,37 kg
➜ Preis: € 2.199,– (Top-Modell)

Microsoft Surface Book

➜ 15,4"-Touchscreen (3.000 x 2.000)
➜ CPU: Intel Core i7, 2x 2,6 GHz
➜ Grafik: NVIDIA GeForce GTX 965M 2GB GPU
➜ 16 GB RAM, 1 TB SSD
➜ WLAN ac, BT 4.0, 2x USB 3.0, 2x Surface Connect, Mini DP
➜ 31 x 23 x 1,5–2,3 cm, 1,65 kg
➜ Preis: $ 3.299,– (Top-Modell)