Amazon Echo & Echo Dot im Test

Amazon Echo & Echo Dot im Test

Statt Knöpfe zu drücken oder in App-Einstellungen zu suchen, ist es doch viel praktischer, den Geräten einfach zu sagen, was sie tun sollen. Und wenn man etwas wissen will, schlicht zu fragen, anstatt die Websuche zu bemühen. Dass so etwas möglich ist, zeigen digitale Assistenten wie Siri, Cortana oder auch Alexa. Letztere wurde von Amazon entwickelt und kommt im Paket mit „Echo“ – einer eigens für die virtuelle Assistentin kreierten Hardware. Wir haben das Amazon-Gadget getestet und zeitweise recht kurzweilige Dialoge mit Alexa geführt.

Mit dem Computer reden – schon seit Jahren versuchen sich Hersteller an Sprachsystemen, bei denen Geräte auf Zuruf bestimmte Dinge tun sollen. Bis vor kurzem funktionierten solche Sprachsteuerungen mehr schlecht als recht. Neben der eigentlichen Spracherkennung war das Hauptproblem, dass Befehle genau so formuliert werden mussten wie vom System vorgesehen – andernfalls klappte es mit der Erkennung nicht. Seit Apples Siri, Google Now und Microsofts Cortana hat sich das jedoch geändert. Dabei handelt es sich um „virtuelle Assistenten“, mit denen man fast so reden kann wie mit einer richtigen Person. Eine der aktuell am weitesten fortgeschrittenen Assistentinnen ist Amazons Alexa. Sie antwortet auf diverse Fragen, spielt Musik ab, kann Timer setzen oder Termine zum Kalender hinzufügen. Das Besondere ist, dass Amazon mit „Echo“ eine eigene Hardware anbietet, die einzig und allein dazu dient, Alexas Dienste zu nutzen. E-MEDIA hatte die Gelegenheit, sich mehrere Wochen lang ausgiebig mit Alexa zu unterhalten.

Echo ist eigentlich ein Lautsprecher, von dem es zwei Varianten gibt: Echo und Echo Dot. Der größere – Echo – ist mit einem 63-mm-Woofer sowie einem 50-mm-Hochtöner ausgestattet. Damit kann er problemlos kleinere und mittelgroße Räume mit Musik beschallen. Der Klang ist gut und für einen derart kompakten Lautsprecher durchaus kräftig. Echo ist als Stand-Alone-Gerät gedacht und kann nicht mit anderen Geräten verbunden werden. Anders sieht es mit dem kleinen Echo Dot aus. Auch er hat einen Lautsprecher eingebaut, der jedoch recht schwach auf der Brust ist und lediglich ausreicht, um sich mit Alexa zu unterhalten. Echo Dot verfügt jedoch über einen 3,5-mm-Audioausgang und Bluetooth. Auf diese Weise kann die Soundausgabe etwa über eine Hi-Fi-Anlage oder einen BT-Lautsprecher erfolgen. In puncto „Soundaufnahme“ sind beide Echo-Modelle gleichwertig ausgestattet: mit jeweils sieben Fernfeld-Mikrofonen, über die sie Sprachbefehle aus allen Richtungen erkennen. Im Test klappte das sehr gut – sogar aus einiger Entfernung, solange dabei etwas lauter gesprochen wurde.

Um Alexas Dienste in Anspruch zu nehmen, muss man sie lediglich beim Namen rufen – alles danach Gesprochene interpretiert die digitale Assistentin als Frage oder Befehl. Die Erkennung erfolgt nicht im Gerät, sondern auf den Servern von Amazon, weshalb Echo und Echo Dot permanent mit dem Internet in Verbindung stehen müssen. Dieser Umstand lässt den Verdacht aufkommen, ständig von Amazon abgehört zu werden. Das ist jedoch nicht der Fall. Alexa lauscht zwar konstant, um das Aktivierungswort zu erkennen, doch nur das, was nach „Alexa“ ausgesprochen wird, landet bei Amazon. Wer sich dennoch unwohl fühlt, kann das Mikrofon per Tastendruck stummschalten. Über die Alexa-Smartphone-App lässt sich nachsehen, welche Befehle verstanden und übermittelt wurden. Dieser Verlauf kann bei Bedarf gelöscht werden.

Technik und Spracherkennung schön und gut – doch was fängt man mit Alexa an? Zunächst einmal kann man ihr Fragen stellen. „Wie wird das Wetter morgen?“, „Wer ist der Präsident der Vereinigten Staaten?“, „Wie alt bist du?“: Auf vieles weiß Alexa eine Antwort, sehr oft muss sie aber auch passen. Ihre Stimme klingt angenehm und recht natürlich, kein Vergleich zum blechernen Roboter-Gestammel von vor ein paar Jahren. Aber Alexa kann noch mehr. „Stelle einen Timer mit 5 Minuten“ versteht sie ebenso wie „Wecke mich morgen um 7.00 Uhr“ oder „Was steht für Montag in meinem Kalender?“ Für letztere Frage muss der Google-Kalender in der Alexa-App freigegeben sein. Ein Highlight ist die Möglichkeit, Musik und Hörspiele abzuspielen. Als Amazon-Prime-Kunde hat man Zugriff auf über zwei Millionen Songs; abonniert man Amazon Music Unlimited, sind es über 40 Millionen. Alexa kann außerdem auf Spotify-Konten und TuneIn-Radiosender zugreifen. Statt am Computer Alben zu durchforsten und Playlists zu erstellen, sagt man Alexa einfach, was man hören möchte, und mit etwas Glück spielt sie die passende Musik ab. Mögliche Befehle sind z. B. „Spiele Chill-out-Musik“, „Spiele das neueste Album von Adele“ oder „Spiele Kinderlieder“. Toll ist außerdem, dass in Amazon Music Unlimited zahlreiche Hörbücher für Kinder inkludiert sind. Doch so gut die eigentliche Spracherkennung funktioniert, so mittelmäßig ist die Sinnerkennung des Gesagten. „Spiele ein Bibi-und-Tina-Hörspiel.“ „Spiele eine Geschichte von Bibi und Tina ab.“ Beides führt zu nichts. Sagt man jedoch „Spiele etwas von Bibi und Tina“ oder „Spiele Folge 11 von Bibi und Tina“, klappt es plötzlich. Ähnlich verhält es sich bei Musik. Mit dem Befehl „Spiele etwas von Ricky Martin“ spielt Alexa immer das gleiche Album ab, obwohl weit mehr Alben verfügbar wären. Erst wenn man das gewünschte Album beim Namen nennt, bekommt man andere Lieder zu hören.

Alexa kann darüber hinaus Bestellungen bei Amazon durchführen. Den Berichten über massenhafte Puppenhaus-Lieferungen in den USA, die ein TV-Beitrag rund um Alexa ausgelöst haben soll, braucht man jedoch keinen Glauben zu schenken. Bestellungen erfordern stets eine Bestätigung. Vielmehr wurde nur der erste Schritt der eigentlichen Bestellung initiiert. Amazon-Shopping mit Alexa kann aber via PIN-Code gesichert oder auch ganz abgeschaltet werden.

Spannend wird es, wenn man Alexa um „Skills“ erweitert. Amazon hat nämlich eine Schnittstelle geschaffen, mit der externe Anbieter Alexa ihre Daten zur Verfügung stellen können. Mit einem Chefkoch-Skill etwa kann Alexa nach Rezepten befragt werden. Der TV-Programm-Skill hilft, he-rauszufinden, was im Fernsehen läuft. Es gibt auch Skills, die Quizspiele ermöglichen, Wörter übersetzen, Radiosender hinzufügen und vieles mehr. Noch kann das deutschsprachige Angebot nicht mit in den USA erhältlichen Skills mithalten, es wächst aber stetig. Interessant sind vor allem Smart-Home-Skills. Aktuell werden u. a. Geräte von Philips Hue, Netatmo, Tado, und TP-Link unterstützt. „Schalte das Licht im Wohnzimmer an“ – Alexa folgt aufs Wort. Die Basics wie simples Ein- und Ausschalten von Hue-Lampen meisterte Alexa im Test problemlos, doch beim Aufrufen von vordefinierten Szenen war es ein Glücksspiel, ob Alexa den Befehl verstand. Oft genug kam die Antwort „Das Gerät reagiert nicht“, obwohl alles in Ordnung war. Grundsätzlich fällt bei den Skills auf, dass man sich weit genauer an bestimmte Formulierungsvorlagen halten muss als bei den gewöhnlichen Alexa-Befehlen. „Schalte das Licht wieder aus“ (ohne „im Wohnzimmer“) führt bereits zu einer Fehlermeldung.

Echo und Echo Dot lassen sich erst seit Mitte Februar regulär bei Amazon bestellen. Davor befand sich Alexa noch in der Beta-Phase, Bestellungen waren nur über ein Einladungs-System möglich. „Beta“ trifft es aber nach wie vor ganz gut. Alexa versteht vieles, doch kommt es nicht selten vor, dass gewisse Fragen umformuliert werden müssen oder einfach unbeantwortet bleiben. Auch die Steuerung der Hue-Lampen klappte mehr schlecht als recht. Insofern haben die Echo-Lautsprecher im Test nur als Musikabspielstationen überzeugt, vor allem in Verbindung mit Amazon Music Unlimited. Zwar ist es auch hier erforderlich, spezifische Satzkonstruktionen zu verwenden, doch mit der Zeit weiß man, wie man Alexa dazu bringt, die gewünschte Musik abzuspielen. Die restlichen Funktionen sind spannend, können aber durchwegs noch Verbesserungen vertragen.

Es besteht allerdings kein Zweifel daran, dass Amazon Alexa immer schlauer machen wird, denn virtuelle Assistenten gelten in der Techno-Branche als „das nächste große Ding“. Google, Microsoft, Apple, Samsung, Amazon – sie alle arbeiten an eigenen Assistenten und setzen alles daran, „ihr“ System in so vielen Geräten wie möglich unterzubringen. Und das sollen in Zukunft nicht nur Smartphones oder Lautsprecher sein, sondern auch Autos, Fernseher oder Kühlschränke …

Amazon Echo & Echo Dot

➜ 7 Fernfeld-Mikrofone, Dualband WLAN n
➜ Zugriff auf digitale Assistentin Alexa
➜ LED-Leuchtring zeigt Sprachrichtung
➜ Echo: 63-mm-Woofer, 50-mm-Hochtöner, 235 x 83,5 x 83,5 mm, 1.064 g
➜ Echo Dot: Bluetooth, 3,5-mm-Audio, 83,5 x 83,5 x 32 mm, 163 g
➜ Preis: € 59,99 (Echo Dot) / € 179,99 (Echo)