Hacker machen Microsoft zu schaffen:
Windows-7-Aktivierung schon geknackt

US-Medienberichten zufolge haben Hacker Microsofts Windows 7 offenbar schon vor dem eigentlichen Produktstart am 22. Oktober geknackt - nur eine Woche, nachdem das Produkt in der veröffentlichungsfertigen RTM-Version vorliegt. In einschlägigen chinesischen Foren ist davon die Rede, dass Hacker die Echtheitsprüfung mit einem gestohlenen Schlüssel umgehen und das Betriebssystem somit ohne Online-Verbindung zu den Microsoft-Servern vollständig aktivieren können.

Microsoft hat unter anderem gegenüber Cnet bestätigt, dass man Kenntnis um Berichte über Aktivierungs-Exploits habe und dabei erneut betont, dass man sich um den Schutz der Kunden vor Raubkopien und gefälschter Software bemühe.

Und täglich grüßt das Murmeltier
Wie schon die Vorgänger wird Windows 7 zum Kampf gegen Software-Piraterie eine Online-Aktivierung beinhalten, diesmal unter dem Namen "Windows Activation Technologies". Doch offenbar ist dieser Schutz schon knapp drei Monate vor dem offiziellen Produktstart gefallen. Eine Image-Datei einer Lenovo-OEM-DVD der Windows 7 Ultimate Edition soll in die Hände der Hacker gelangt sein. Dadurch haben die Cyberkriminellen Zugriff auf ein von Microsoft signiertes OEM-Aktivierungs-Zertifikat und dadurch einen Aktivierungsschlüssel, der verschiedenste OEM-Installationen nicht nur von Lenovo, sondern auch anderen Herstellern wie Dell oder HP freischalten kann - ganz ohne die normalerweise erforderliche Online-Validierung. Mit eben dieser Methode konnte schon die Vista-Aktivierung ausgetrickst werden.

"Wäre fahrlässig von Microsoft"
Die Online-Aktivierung aktueller Windows-Versionen kommt bei Anwendern nicht immer gut an, da beispielsweise bei bestimmten Hardware-Upgrades eine Neuaktivierung erforderlich ist. Das kann Zeit und Nerven kosten, wie IDC-Analyst Rüdiger Spies bestätigt. "Es wäre aber fahrlässig von Microsoft, gar keinen derartigen Schutz zu nutzen", betont er. Immerhin bringe die Authentifizierung auch reale Vorteile. So kann etwa leichter kontrolliert werden, ob und wie schnell sich sicherheitsrelevante Updates verbreiten. Eine wirklich praktikable Alternative zur Online-Aktivierung sieht Spies nicht und es sei nicht verwunderlich, dass Microsoft darauf setze. "Ähnliche Lösungen sind heute auch ein Standard in der ganzen Software-Industrie", meint Spies weiter.

Gehen Microsoft Einnahmen flöten?
Microsoft unterstreicht angesichts der Hack-Berichte die potenzielle Malware-Gefahr beim Download illegaler Windows-7-Kopien beispielsweise über Peer-to-Peer-Netzwerke. Falls Windows 7 tatsächlich drei Monate vor dem Start in der Raubkopien-Hochburg China geknackt verfügbar ist, dürfte dem Konzern damit einiges an Einnahmen entgehen. "Microsoft würde das zwar offiziell nie so sagen, doch ich vermute, es ist den Redmondern lieber, wenn ein Computer ein geknacktes Windows nutzt als ein anderes Betriebssystem", meint allerdings Spies. Dadurch würde die Konkurrenz klein gehalten. "Außerdem trägt der Nutzer dann Microsoft in Herz und Hirn", so der Analyst. Insgesamt könnte sich das letztendlich positiv auf den Umsatz anderer Software wie Office-Produkte auswirken.

(pte/red)