Google: Was nichts kostet, ist nichts wert?
Experten bemängeln starke Gratis-Strategie

Die Gratis-Politik des Internetriesen Google schwächt laut Branchenexperten den Wert der Unternehmensmarke. Mit der Strategie, den Usern möglichst alle Produkte kostenlos zur Verfügung zu stellen, untergräbt Google seine eigene Brand. So lässt sich eine aktuelle Einschätzung von Analysten der Yankee Group anlässlich des neuen Betriebssystems für PCs interpretieren.

Die Experten argumentieren außerdem, dass letztlich Apple als Gewinner des Wettstreits zwischen Google und Microsoft aussteige. Der Suchmaschinenbetreiber sei zwar irrsinnig bekannt, populär und habe einen guten Ruf in puncto technologischer Innovationen. Doch bisher seien die Produkte nicht so einheitlich, einfach nutzbar und untereinander verknüpft wie etwa bei Apple.

Marken-Ökosystem fehlt
"Was Googles Ambitionen wirklich schadet, ist seine Unfähigkeit ein Marken-Ökosystem zu entwickeln", schreibt Analyst Joshua Martin in dem Bericht. Mit der Ankündigung von Chrome OS habe Google die Gelegenheit verpasst, eine einheitliche Linie für seine Konsumenten zu entwerfen. Martin glaubt, dass Apple beispielsweise bei der Einführung eines Netbooks, dieses geschickt in die bestehende Produktlinie eingliedern würde. So sei dies bisher mit iPhone, iPod und Mac bis hin zu Apple TV geschehen.

"Wichtig für Google ist in erster Linie eine stimmige Markenarchitektur aufzubauen. Als Paradebeispiel kann man hier sicherlich Apple heranziehen. Egal welches Produkt auch immer neu entwickelt wurde, die für Apple wesentlichen Markenwerte wurden immer unverwechselbar transportiert", meint auch Markenexperte Markus Hübner, Geschäftsführer der Brand Management Agentur Brandflow. Google habe stets mit Innovation gepunktet, was angesichts von Microsofts Dominanz auch stimmig gewesen sei und auch künftig funktioniere, wenn sich Google im Consumer-Bereich mit der Verbreitung des Betriebssystems noch stärker etablieren wolle. "Zielführender wäre es allerdings, eine in sich schlüssige Markenarchitektur zu entwickeln, in der sämtliche Produkte erkennbar die Markenwerte von Google vermitteln", erläutert Hübner.

Google: Gratis statt Luxus
Während Apple vollends auf die Strategie setzt, Luxusprodukte anzubieten, deren Zielgruppe auch gerne bereit ist, einen überdurchschnittlichen Preis zu bezahlen, verfolgt Google das andere Extrem. Der Internetriese basiert darauf, Kosten für Computerhardware immer weiter zu reduzieren, setzt auf Open-Source und die Effizienz eines riesigen Datencenters. "Der Ansatz von Apple unterscheidet sich insofern zur aktuellen Markenführungsstrategie von Google, dass Apple primär die Markenpositionierung forciert und nicht den Massenmarkt bzw. die Marktführerschaft", so Hübner. Google werde für die Markenführung eine Balance finden müssen, zwischen Mainstream und dass diese Markenarchitektur in sich eine schlüssige Positionierung nach außen hin erkennen lasse. (pte/red)