"Spieglein, Spieglein an der Wand...":
"High-Tech-Spiegel" sagt Lebensstil voraus

Schlechte Nachrichten für heimliche Eiskasten-Besucher: Ein neues Überwachungssystem einer High-Tech-Firma in Südfrankreich ermöglicht nicht nur eine komplette Lebensstil-Analyse, sondern sagt mittels eines spiegelähnlichen Bildschirms auch die Folgen schlechter oder guter Gewohnheiten voraus.

Der "Überzeugungs-Spiegel" der Firma Accenture in Sophia-Antipolis bei Nizza soll Leckermäuler mit übergewichtigen Zukunftsvisionen von Nahrungsexzessen abschrecken. Auf die Frage "Spieglein, Spieglein an der Wand" kann also die Antwort folgen: Wenn Du so weitermachst, ist es mit Deiner Schönheit bald vorbei.

Big Brother is watching you...
Der Methode liegt ein weit verzweigtes Kamera- und Sensorensystem in der Wohnung des Nutzers zu Grunde, das jeden Schritt verfolgt - also den Griff zur Schoko genauso wie die Liegestütze im Wohnzimmer. Anhand dieser Daten, die durch manuell eingegebene Informationen ergänzt werden können, errechnet der Computer, wie der Mensch in wenigen Jahren auszusehen droht - oder verspricht - wenn er seine Lebensgewohnheiten beibehält. Was aussieht wie ein Spiegel, ist in Wirklichkeit ein Bildschirm mit winzigen eingebauten Kameras, die den Nutzer filmen und sein Bild auf den Schirm projizieren.

Starke Reaktion auf visuelle Reize
"Wir versuchen Computer und Maschinen zu entwickeln, die als Motivations- und Überzeugungsquelle fungieren können", erläutert Ana Andres del Valle, Forscherin bei Accenture. "Ein Spiegel schien uns die beste Grundlage zu sein, da die Menschen auf visuelle Reize sehr stark reagieren." Wer also den ganzen Tag genascht hat, kann auf dem "Spiegel" per Knopfdruck abrufen, wie er in der Zukunft aussieht, wenn er so weitermacht.

Nicht für Otto Normalverbraucher
Diese Methode sei so überzeugend, dass der Spiegel sogar als "persönlicher Berater" bezeichnet werden könnte, versichert Forschungsdirektor Martin Illsey. Er sei in der Lage, seine Benutzer von einem gesünderen Lebensstil zu überzeugen. Als Allerweltsgegenstand für Otto Normalverbraucher ist das System allerdings bislang nicht konzipiert. Vielmehr könnte es bei der medizinischen Betreuung von hochgradig übergewichtigen Patienten eingesetzt werden, so die Wissenschafter von Accenture.

Verbesserungswürdiger Blick in die Zukunft
Bis zu seinem tatsächlichen Einsatz sollen allerdings noch ein paar Feinheiten verbessert werden. Zu diesem Zweck hat Accenture eine Zusammenarbeit mit der Universität von San Diego im US-Bundesstaat Kalifornien aufgenommen. "Es muss noch feiner auf den einzelnen Nutzer reagiert werden", erklärt Andres del Valle. "Denn zwei Menschen, die das Gleiche essen, werden nicht unbedingt beide dick." Mittel- bis langfristig könnte das System auch in anderen Bereichen eingesetzt werden, hofft die Forscherin, so beim Vorhersagen der Folgen von zu viel Sonneneinstrahlung, Alkohol- oder Tabakkonsum. (apa/red)