Hohe Preise schuld am Raubkopierertum?
US-Studie ortet "globales Preisproblem"

Der Verkauf von illegalen CD- und DVD-Raubkopien lässt sich nicht durch härtere Gesetze und strengere Polizeikontrollen aufhalten. Die Piraterie von Filmen, Musik, Videospielen und Softwareprogrammen ist vielmehr ein "globales Preisproblem", das sich nur durch eine Senkung der Preise für die legalen Originalprodukte in den Griff bekommen lässt. So lautet die Kernaussage eines aktuellen Berichts, den die unabhängige NGO Social Science Research Council (SSRC) auf Basis der Einschätzungen von 35 internationalen Wissenschaftlern vorgelegt hat.

"Simples hartes Durchgreifen funktioniert nicht, wenn man das Piraterieverhalten stoppen will", heißt es in dem SSRC-Dokument. Diese Strategie könne nur greifen, wenn sie weitreichende Reformen in der Preispolitik beinhalte. "Hohe Preise für Medieninhalte, niedrige Löhne und günstige digitale Technologien sind die Hauptzutaten für das weltweite Piraterieproblem", stellen die Studienautoren fest. Dies gelte insbesondere für Länder wie Russland, Mexiko oder Indien, wo die physische Produktpiraterie mittlerweile einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstelle und die Preisdiskrepanz zwischen Original und illegaler Kopie am größten ausfalle.

Russland: 75 US-Dollar für eine DVD
Um diese Einschätzung zu verdeutlichen, verweisen die Wissenschaftler auf ein simples Rechenbeispiel. So kostet etwa in Russland, einem der Hauptübeltäter in Sachen Produktpiraterie, eine legale DVD des Films "The Dark Knight" 15 Dollar. Aus Sicht der US-Konsumenten erscheint dieser Preis zunächst relativ niedrig. Wenn man aber das unterschiedliche Lohnniveau beider Länder berücksichtigt, ergeben sich für den russischen Konsumenten im Endeffekt Kosten in der Höhe von 75 Dollar.

"Wenn die Preise für Original-CDs und -DVDs in diesen Ländern in Relation zu den lokalen Einkommen um das Fünf- bis Zehnfache höher liegen als in den USA, wird eine strengere Strafverfolgung nicht ausreichen, um das Problem zu lösen", kritisiert der Bericht. Angesichts derart fantastischer Preisvorstellungen und den niedrigen Kosten von Raubkopien dürfe sich die Medienindustrie nicht wundern, wenn sich die User für die illegale Version entscheiden.

"Dezentralisierung" gefordert
Als einzige brauchbare Lösung schlagen die SSRC-Experten die Gründung lokaler Unternehmen vor, die einen "aktiven Wettbewerb um Preise und Dienste für lokale Konsumenten" anregen sollen. Die derzeitige Situation sehe aber ganz anders aus: Legale kopiergeschützte Güter würden lediglich über riesige multinationale Konzerne vertrieben, deren primäres Ziel nicht die Unterstützung lokaler Märkte, sondern "die Sicherung der Preisstruktur in Ländern mit hohem Einkommen" sei, so die Wissenschaftler. (pte/red)