Erfolg von E-Books lässt auf sich warten:
Experten hoffen dennoch auf Durchbruch

Der Rummel um den Star des vergangenen Jahres hat sich auf der Frankfurter Buchmesse gelegt. Beim Thema E-Book ist Ernüchterung eingekehrt: Noch bewegen sich die Umsätze in Deutschland im Promillebereich. 65.000 digitale Bücher sind in den ersten sechs Monaten des Jahres verkauft worden. Dennoch hoffen Experten auf einen baldigen Durchbruch der Bücher und der dazu notwendigen elektronischen Lesegeräte. "Die Revolution des Lesens steht unmittelbar bevor", glaubt Ronald Schild, der für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels eine Online-Plattform für elektronische Bücher aufgebaut hat.

Für die richtige Hardware sind auch die Bedürfnisse des Verbrauchers entscheidend. Wer nicht nur lesen, sondern mit Büchern richtig arbeiten will, der braucht einen größeren Bildschirm, der zum Beispiel PDF-Dokumente abbildet. Für andere mag es zum Lesen auch das kleine Display eines Smartphones tun, auf denen inzwischen auch Bücher gelesen werden können.

Kopierschutzfrage weiterhin offen
Bei der Software - den elektronischen Büchern - ist weiterhin die Frage des Kopierschutzes unklar. "Wir dürfen uns nichts vormachen. Jeder Kopierschutz ist nur so gut wie der nächste Hacker, der den Code knackt", meint Lübbe-Verlagsleiter Marco Schneiders, der beim neuen Dan-Brown-Thriller auf ein E-Book ganz verzichtet. Wenn der Verlag selbst keine E-Books anbiete, dann werden es eben die illegalen Tauschbörsen tun, kontert Schild. Immerhin sind inzwischen 37 Prozent aller Novitäten auch als E-Book erhältlich, wie eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage unter 318 Verlagen ergab.

Generell will die Buchbranche verhindern, dass es ihr in der Gratis-Kultur des Internets ähnlich schlecht ergeht wie der Musikindustrie. Deshalb will man auch an der Buchpreisbindung für E-Books festhalten. Dafür hat sich auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Eröffnung der Messe stark gemacht. "Ob die (Buchpreisbindung) in der digitalen Welt bestehen bleibt, wage ich zu bezweifeln", sagte dazu Stefan Michalk vom Bundesverband Musikindustrie. (apa/red)