Microsoft unterstützt mit seinem Know how die Zensur von Weblogs in China

Microsoft arbeitet bei seinem Internet-Angebot in China mit den Behörden zur Zensur missliebiger Inhalte zusammen. Dies betreffe den Dienst zur Einrichtung von Blogs für die Verbreitung von persönlichen Beiträgen im Web, erklärte am Montag der Marketing-Direktor von MSN, Adam Sohn. Zusammen mit den von der Regierung finanzierten Geschäftspartnern in China würden bestimmte verbotene Begriffe ausgefiltert, sagte Sohn der Nachrichtenagentur AP.

Der Microsoft-Dienst MSN Spaces, der kostenlosen Speicherplatz für die Einrichtung von Blogs bereitstellt, ist Teil des chinesischen MSN-Portals, das am 26. Mai gestartet wurde. Seitdem wurden dort nach Angaben des Software-Konzerns rund fünf Millionen Blogs (Web-Logs) eingerichtet. Die staatliche Zensur werde als Teil der regulatorischen Bedingungen in China akzeptiert, sagte Sohn. Für jeden Markt gebe es andere Bestimmungen, die im Interesse von Geschäftsbeziehungen berücksichtigt werden müssten. "Auch mit den Filtern helfen wir Millionen von Menschen, miteinander zu kommunizieren, Beiträge und Fotos auszutauschen sowie Beziehungen aufzubauen", sagte Sohn, der für das internationale Geschäft von MSN zuständig ist. "Das ist für uns der entscheidende Punkt."

Demokratie ist ein verbotener Begriff
Wer als Nutzer des chinesischen Internet-Angebots von Microsoft etwas über die Demokratie schreibt, bekommt eine Fehlermeldung: "Verbotener Begriff im Text, bitte löschen", lautet die Mitteilung bei MSN Spaces. Bei den Begriffen "Freiheit" und "Menschenrechte" kommt es zur gleichen Reaktion. Andere Internet-Unternehmen verfahren ähnlich. So sucht man bei Google in China vergeblich nach irgendwelchen Web-Seiten über Taiwan, Falun Gong oder zur Unabhängigkeit von Tibet. Die Suchmaschine zeigt keine Treffer an.

Website-Betreiber müssen sich registrieren
Die chinesische Regierung fördert die Internet-Nutzung im Geschäftsleben und in der Bildung, schränkt aber den privaten Zugang zu Inhalten ein, die als subversiv betrachtet werden. Die chinesischen Behörden haben allen Web-Sites in China eine Frist zur amtlichen Registrierung gesetzt, andernfalls drohen hohe Strafen und die Schließung der Web-Site. Es ist der bisher letzte Versuch der chinesischen Regierung, das Internet unter Kontrolle zu bekommen. Dabei muss eine Person namentlich genannt werden, die für die Inhalte verantwortlich ist, wie das Ministerium für die Informationstechnologie (MII) auf seiner Homepage mitteilte. Den Angaben dort zufolge sind ohnehin schon 74 Prozent der Web-Sites registriert.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen kritisierte den Registrierungszwang als Eingriff in die freie Meinungsäußerung. Zuvor hatten die Behörden in China bereits tausende Internet-Cafés schließen lassen, die für viele Chinesen der Eintritt in die Online-Welt waren. Mit inzwischen bereits 87 Millionen Internet-Nutzern liegt China hinter den USA weltweit auf Platz zwei.

Kampf für Meinungsfreiheit
MSN China ist ein Joint-Venture mit der Shanghai Alliance Investment, einer staatlich finanzierten Investmentgesellschaft. Die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen hat Microsoft, Yahoo, Google und andere Internet-Unternehmen aufgefordert, die chinesische Regierung zu drängen, die Meinungsfreiheit im globalen Computernetz zuzulassen. (APA/red)

Webtipp:
www.msn.com.cn