Microsoft hat es jetzt auf AOL abgesehen: Weltgrößte Internet-Firma würde entstehen

Der weltgrößte Medienkonzern Time Warner verhandelt mit Microsoft über eine Kombination seines Online-Dienstes AOL mit dem MSN-Internet-Portal des Softwareriesen. Wie die "New York Times" in ihrer Onlineausgabe berichtet, werden verschieden Lösungen diskutiert, darunter auch ein Zusammenschluss der beiden Online-Dienste in einer neuen gemeinsamen Gesellschaft. Die Gespräche seien von Microsoft initiiert worden, die den neuen Erzrivalen Google klar im Visier habe. Die Unternehmen nahmen dazu bisher keine Stellung.

Google fordert Microsoft heraus
Der steile Aufstieg des Internet-Suchmaschinenbetreibers Google hat Microsoft herausgefordert. Künftig wolle sich der weltgrößte Softwarekonzern auf die Entwicklung von Suchprodukten im Internet konzentrieren, statt auf das Web-Portal und Internet-Zugangsgeschäft, die man nicht mehr als strategisch wichtig ansehe, wie die Zeitung hervorhebt. Microsoft habe angeboten, sein MSN-Internet-Portal und seine Anwählkunden an AOL oder Yahoo! zu verkaufen. Das Internet-Portal Yahoo! habe aber abgelehnt, während Time Warner für seine AOL-Tochter Interesse bekundet habe.

Zusammenschluss von AOL mit MSN?
Der umfassendste Vorschlag würde AOL und mit dem MSN-Internet-Portal von Microsoft sowie dem Internet-Anwähl-Geschäft vereinen. Damit würde die weltgrößte Internet-Firma entstehen, wobei die Web- Suche auf Microsoft fiele. Das wäre ein schwerer Schlag für den Betreiber Google, der bisher die Web-Suche für AOL übernommen hat. Elf Prozent des Google-Umsatzes seien in diesem Jahr von Anzeigen gekommen, die auf AOL-Web-Seiten platziert worden seien. Auf eine Kombination von AOL und MSN entfiele 18 Prozent des US-Suchmarktes - verglichen mit 46 Prozent für Google und 23 Prozent für Yahoo!.

Schwerer Schlag für Google
Die Diskussionen zwischen Microsoft und Time Warner hatten laut der "New York Times" zu Beginn dieses Jahres begonnen. Microsoft versuchte danach AOL dazu zu bringen, Google fallen zu lassen und stattdessen den neuen Web-Suchdienst von MSN zu verwenden. Die Finanzkonditionen eines möglichen Zusammengehens seien noch nicht vollständig geprüft worden. Sie hingen davon ab, welche Vermögenswerte vereint würden. Da AOL größer und profitabler sei als MSN, würde Time Warner die Mehrheit an den zusammengelegten Operationen halten, falls Microsoft nicht Bargeld zuschieße, um seinen Anteil zu erhöhen. Analysten bewerten AOL mit zehn bis 20 Mrd. Dollar (16 Mrd Euro). (apa/red)