"In Facebook hat jeder ein Megafon":
Mitbegründer Hughes über seinen Web-Coup

Soziale Online-Netzwerke haben die Art, wie Information geschaffen und verteilt wird, revolutioniert, sagte Facebook-Mitbegründer Chris Hughes bei seinem Besuch in Wien. Facebook und Co. machten die Welt transparenter und begreiflicher, wodurch wiederum bessere Entscheidungen getroffen werden könnten.

"Facebook ist ein Ort, wo man mit seinen Freunden in Kontakt bleibt", erklärte der 25-jährige Harvard-Absolvent Hughes die Faszination Facebook. Das 2004 gegründete Netzwerk hat mittlerweile mehr als 300 Millionen User weltweit, in Österreich sind es laut Hughes knapp eine Million. Ein Teilnehmer hat im Schnitt 130 Freunde, die Hälfte der Facebook-Fans ist jeden Tag online.

Während das Kreieren von Informationen vor wenigen Jahren noch einer kleinen Gruppe an Personen, etwa Autoren und Medienmachern, vorbehalten gewesen sei, könne dies in sozialen Netzwerken jeder tun. "Jeder hat ein Megafon", so Hughes. Über Facebook können Kunden auf Firmen Druck ausüben. Als Beispiel nannte Hughes eine von ihm ungeliebte US-Airline, über die er sich im Netz oft beschwert habe. Die "Weisheit der Massen" könnten aber auch Unternehmen nutzen. Würde die betreffende Airline einen Blicks ins Web werfen und sich die Kundenbeschwerden durchlesen, könne sie erkennen, dass sie ein Problem habe. "Firmen und Organisationen haben jetzt die Chance, den Leuten zuzuhören", so Hughes.

Das Zuhören sei auch ein zentraler Aspekt der Online-Wahlkampagne für US-Präsident Barack Obama gewesen, die Hughes geleitet hat. Die Netzwerk-Technologie habe es ermöglicht, Millionen von Personen eine Stimme zu verleihen. "Wir haben die Infrastruktur gemacht, gehandelt haben die Menschen selbst", so Hughes. Insgesamt hätten die Online-Obama-Fans 200.000 Events ins Leben gerufen - im echten Leben. Auf My.BarackObama.com registrierten sich mehr als zwei Millionen Menschen, hinzu kamen tausende YouTube-Videos, die Anhänger ins Netz stellten. "Die Leute sollen ihre Geschichten ungefiltert erzählen dürfen", sagte Hughes. Insgesamt konnten er und sein Team über das Internet eine halbe Milliarde Dollar an Wahlspenden sammeln. Der durchschnittliche Betrag lag bei nur 80 Euro. Jene Leute, die gespendet haben, hätten sich in der Folge noch stärker politisch engagiert. (apa/red)