US-Gericht stimmt Teilvergleich mit Mega-Pleitier zu

Der Telekomriese WorldCom kommt trotz des größten US-Bilanzfälschungs-Skandals bei der Börsenaufsicht SEC mit einem blauen Auge davon. WorldCom einigte sich mit der SEC in einem zivilrechtlichen Betrugsverfahren auf einen Vergleich, mit dem das Unternehmen möglicherweise um eine Strafzahlung herumkommen könnte.

Die Untersuchung des US-Justizministeriums gegen WorldCom laufe weiter, und könne zu härteren Strafen für das Unternehmen und seine Manager führen. Die WorldCom-Aktien sind mit einem Kurs von nur noch 22,6 Cent (22,8 Euro-Cent) praktisch wertlos.

Bei Verbraucherschützern stieß die Vereinbarung auf heftige Kritik. "Tausende von WorldCom-Aktionären haben durch die kriminellen Machenschaften von WorldCom-Managern Millionen-Dollar-Beträge verloren, und tausende von Mitarbeitern wurden gekündigt. Jetzt wird die SEC dem Unternehmen möglicherweise nur einen leichten Klaps geben", kritisierte Tom Schatz, der Präsident einer US-Verbraucherschutzgruppe, die Vereinbarungen. Der Energiehändler Enron und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen hätten Strafen für ähnliches Verhalten bekommen.

WorldCom hatte Falschbuchungen von neun Mrd. Dollar zugegeben und hatte im Juli Konkurs angemeldet. WorldCom ist die zweitgrößte US-Ferngesprächsfirma und der führende Internetnetzwerk-Betreiber. Das Unternehmen hat unbezahlte Schulden von mehr als 40 Mrd. Dollar.

WorldCom musste im Zuge einer "permanenten Verfügung" versprechen, in Zukunft nicht mehr gegen Wertpapiergesetze zu verstoßen, teilte die Gesellschaft am Dienstag nach Börsenschluss mit. WorldCom muss seine führenden Mitarbeiter und das Finanzpersonal besser ausbilden lassen, um zukünftige Verstöße zu verhindern. Der Telekomriese muss außerdem einen Berater anheuern, der die Wirksamkeit der internen Buchführungskontrollen überprüft.

Die Gesellschaft musste sich allerdings auch damit einverstanden erklären, dass das Gericht oder die SEC in Zukunft zivilrechtliche Strafen oder andere angemessene Sanktionen verlangen können. Die Möglichkeit einer Strafzahlung ist nach Darstellung von US- Rechtsexperten das wichtigste Druckmittel, um WorldCom von weiterem Fehlverhalten abzuhalten und zu weitreichenden internen Überwachungsmaßnahmen zu zwingen. Ob der zuständige Richter Jed Rakoff jedoch tatsächlich eine Strafe verhängen wird und in welcher Höhe ist völlig offen. Viel dürfte vom zukünftigen WorldCom-Verhalten abhängen. Rakoff bezeichnete das Vergleichsabkommen "als Modell" für solche Fälle.