Radikale Roaming-Senkung der EU nun fix:
Bis zu 70% Ersparnis bei Auslandstelefonie

Die EU will Handy-Telefonieren bis 2008 radikal verbilligen. Nach einem vorgelegten Verordnungsentwurf soll für Telefonate vom EU-Ausland nach Österreich in Zukunft inklusive Mehrwertsteuer eine Limit von rund 59 Cent pro Minute gelten, für lokale Anrufe im EU-Ausland knapp 40 Cent pro Minute - die jetzigen Roaming-Tarife werden dadurch mehr als halbiert. Die Passiv-Gebühren sollen schon ab dem Sommer nächsten Jahres mit 20 Cent begrenzt werden.

Laut EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso sollen bei Handy-Gesprächen im Ausland in Summe Roaming-Gebühren im Ausmaß von 5 Milliarden Euro wegfallen. Barroso will damit die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft stärken. Jährlich sind nach Angaben der Kommission aber nicht nur 110 Millionen Geschäftsreisende von den Roaming-Preisen betroffen, sondern auch 37 Millionen Touristen. Die neuen Limits sollen nach 2008 jährlich überarbeitet und dabei jedes Mal weiter leicht gesenkt werden.

Die Mobilfunker laufen gegen die geplante EU-Verordnung Sturm. Kommt die Regelung wie vorgesehen, dann würden Telefonate im Inland für Alle teurer und die Stützungen für Handy sinken, schätzt Mobilkom Austria-Sprecherin Elisabeth Mattes. Auch der Telekom-Fachverband in der Wirtschaftskammer Österreich warnte vor hohen Umsatzeinbußen, die auch einen Schaden für den Wirtschaftsstandort Österreich zur Folge hätten. T-Mobile und One sind ebenfalls gegen die Verordnung, rechnen allerdings - im Gegensatz um Marktführer Mobilkom - nicht mit steigenden Preisen am Inlandsmarkt. Auch der viertgrößte Anbieter "3" (Hutchison) hat die EU-Entscheidung kritisiert - allerdings als zu wenig weit gehend.

Österreichs Telekom-Regulator Georg Serentschy, der ursprünglich ebenfalls höhere Inlandstarife befürchtete, ortete am Mittwoch einige deutliche Verbesserungen. Die jetzige Lösung bringe für den Konsumenten "erhebliche Einsparungen" und greife gleichzeitig nicht "in den Bestand der Industrie ein", sagte Serentschy im Gespräch mit der APA. Die Einbußen der Mobilfunkbetreiber würden eher gering ausfallen, ein Teil des Umsatzrückganges werde durch vermehrte Auslandstelefonate kompensiert werden, glaubt der RTR-Chef.

Mit dem jetzigen Verordnungsentwurf hat die EU-Kommission ihre Pläne vom Frühjahr entschärft. Ursprünglich hatte Brüssel die Handy-Auslands-Tarife innerhalb der EU komplett an die Gebühren im jeweiligen Heimatland anpassen und die Passiv-Gebühren gänzlich abschaffen wollen. Für SMS- und Daten-Gebühren wird es keine Regulierung geben. Außerdem wollte Reding noch vor dem Sommer 2007 die Endkundentarife eingreifen. Nun sollen ab Mitte 2007 vorerst nur in die Großhandelspreise und in die Passivgebühren geregelt werden. Erst sechs Monate nach In-Kraft-Treten der Verordnung will die Kommission automatisch auch fixe Obergrenzen für die Roaming-Tarife beim Endkunden vorschreiben. Für die Mobilfunkbetreiber bedeutet das einige Milliarden Euro "Körberlgeld".

Ob die Verordnung tatsächlich schon Mitte 2007 in Kraft treten, hängt jetzt davon ab, wie schnell das Europaparlament und die EU-Staaten den Vorschlag verabschieden werden. Barroso ortete am Dienstag im Parlament eine breite Zustimmung. Auch der finnische EU-Ratspräsident, Matti Vanhanen, hat bereits angekündigt, die Roaming-Verordnung bis Jahresende rasch vorwärts bringen zu wollen. Auf Grund des Drucks großer Mobilfunkbetreiber rechnet Barroso dennoch mit Widerstand aus einigen EU-Staaten. (apa/red)