Lesen Smartphones künftig "Gedanken"?
Sensoren sollen Bedienabsichten erkennen

Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben ein Sensorsystem konstruiert, mit dessen Hilfe Smartphones erkennen sollen, welche Funktion der User gerade verwenden möchte. Durch die Art, wie das Gerät vom Benutzer in der Hand gehalten wird, schaltet es beispielsweise von der Telefonfunktion auf den Kamera-, PDA- oder Spiele-Modus um, wie das Wissenschaftsportal NewScientist berichtet. Die Wissenschaftler wollen dadurch die Handhabung von Geräten, die eine lange Reihe von Funktionen integrieren, erleichtern. Tasten für einzelne Features oder umständliches Umschalten im Menü sollen der Vergangenheit angehören, meinen Brandon Taylor und sein Kollege Michael Bove.

Die Forscher haben einen Prototypen entwickelt, der je einen LCD-Schirm auf der Vorder- sowie Rückseite hat. Seine Lage erkennt das Gerät durch einen dreiachsigen Bewegungssensor. Zusätzlich integrierten die Techniker 72 einzelne Sensoren, die auf der Oberfläche des Prototypen verteilt sind. Sie sind dafür zuständig, die Lage der Finger zu registrieren und dadurch auf die intendierte Verwendungsart zu schließen. "Das Gerät erkennt, wie der Benutzer es in der Hand hält und aktiviert anschließend die gewünschte Funktion", erläutert Taylor. Im Vorfeld der Entwicklung haben die Wissenschaftler eine Analyse der Bewegungsmuster bei der Handhabung bestimmter Geräte gemacht und Ähnlichkeiten festgestellt. Diese verwerteten sie in der Software des Prototypen. Das Gerät muss vor der Verwendung trotzdem für den jeweiligen Nutzer konfiguriert werden, denn gewisse Bewegungsvorgänge sind von Mensch zu Mensch verschieden, so der MIT-Forscher.

Vielfältig anwendbar
Eine Grundversion des Konzepts ist mittlerweile bereits in einigen Geräten zu finden. So wird beispielsweise bei manchen Smartphones die Bildschirmhelligkeit gedrosselt, sobald der Besitzer das Handy zum Ohr hält. Digitale Spiegelreflexkameras wiederum schalten den Vorschaumonitor automatisch aus, sobald Sensoren registrieren, dass der Fotograf durch den Sucher sieht. Darüber hinaus denken die Forscher auch an die Spielindustrie. "Ein sensorbestückter Baseball könnte der Videokonsole melden, wie der User den Ball hält. Dementsprechend wird der Wurf im Spiel umgesetzt", sagt Taylor. Ebenfalls einsetzbar ist das Konzept als Sicherheitseinrichtung für Küchengeräte. Diese sollen sich erst dann aktivieren lassen, wenn sie richtig gehalten werden. Somit werden aus mangelnder Vorsicht resultierende Verletzungen vermieden. (pte/red)