Handy-Boom in den Entwicklungsländern:
Jeder Zweite verwendet ein Mobiltelefon

Das Handy entwickelt sich in Entwicklungsländern zum wichtigsten Kommunikationsmittel. Eine Untersuchung der Welthandels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD) hat ergeben, dass statistisch gesehen inzwischen dort jeder Zweite ein Mobiltelefon nutzt. Im Vorjahr sei es hingegen nur jeder Vierte gewesen.

In dem vorgelegten Bericht wird aber auch darauf hingewiesen, dass sich im Vergleich zur Handynutzung die Internetausbreitung nur sehr träge gestaltet. So hätten in Entwicklungsländern im Schnitt nur 13 Prozent der Bevölkerung Zugang zum weltweiten Netzwerk. Im Vergleich: In Industrieländern sind es etwa 65 Prozent.

"Die Ausbreitung des Handys hat die Kommunikation in Afrika generell revolutioniert", meint Wolfgang Tyderle, Nothilfekoordinator bei der Hilfsorganisation Care. Es sei schon beachtlich, was sich in diesem Bereich in Entwicklungsländern in den letzten Jahren getan habe. "Ich habe in den 80er-Jahren eine Zeit lang in Afrika gelebt. Damals waren die Kommunikationstechnologien noch extrem schlecht ausgebaut", schildert Tyderle.

Kommunikationstechnischer Quantensprung
Dass man heute in ganz Afrika per Handy erreichbar sei, stelle für diese Länder einen kommunikationstechnischen Quantensprung dar. "Wollte man vor zehn Jahren einen Mitarbeiter in einem etwas abgelegeneren Dorf erreichen, war dies oft nur mittels Satellitentelefon möglich", ergänzt Tyderle. Heute hätte sich die Situation grundlegend verändert, in jedem Dorf verfüge man über Handyempfang.

Die Gründe für die derartig rasante Ausbreitung der Mobiltelefonie sind vielschichtig. Wichtig ist zunächst natürlich vor allem der finanzielle Aspekt. "Die anfallenden Kosten für die Anschaffung eines Handys sind relativ gering", erläutert Tyderle. Oft würden beispielsweise billige Handy-Nachbauten angeboten, die sich jeder leisten könne. "In jedem noch so kleinen Dorf in Afrika finden sich zudem inzwischen kleine Straßenhändler, die sehr preiswerte Telefonwertkarten verkaufen", so der Care-Mitarbeiter.

Handy als Statussymbol
Ein weiterer Grund für den enormen Zuwachs ergebe sich aus dem Umstand, dass ein Handy von in Entwicklungsländern lebenden Menschen auch als Statussymbol wahrgenommen werde. "Ähnlich wie früher eine Sonnebrille, werden in Afrika Mobiltelefone in der Öffentlichkeit mit einem bestimmten Statusbild in Verbindung gesetzt", meint Tyderle.

Besonders wichtig seien neue Kommunikationstechnologien wie Mobiltelefonie und Internet für Menschen in Entwicklungsländern auch in Bezug auf die Informationsgewinnung. "Das Handy und das Internet sind inzwischen auch in Afrika zu den wichtigsten Informationsquellen aufgestiegen", stellt Tyderle fest. Für die Menschen dort sei es wichtig, dass sie die Möglichkeit haben, sich über die Vorgänge auf der ganzen Welt zu informieren. "Das Internet ist bildungstechnisch wunderbar nutzbar", fügt Tyderle hinzu.

Positiv für Wirtschaft
Nicht zu vergessen seien auch die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen der sich ausbreitenden Kommunikationsmittel. "Das Handy vereinfacht den Handel und fördert somit die Wirtschaft", fasst Tyderle zusammen. Auch der UNCTAD-Bericht bestätigt das: So hätten die Firmen in Afrika bereits im Jahr 2006 für die Kontakte mit Kunden und Lieferanten am meisten über das Handy kommuniziert. (pte/red)