Tablet-Trend nagt am Computergeschäft:
iPad und Co. lassen PC-Absatz schrumpfen

Tablets wie Apples iPad haben Mini-Notebooks im vergangenen Jahr kräftig zugesetzt. Im Kampf um Marktanteile will Asus daher im Juni ein Netbook für nur 200 Dollar starten. Durch den Kampfpreis will Asus demnach den direkten Konkurrenzkampf mit Tablets vermeiden. Ob dieser Ansatz funktionieren kann, scheint fraglich. "Media-Tablets haben den Netbookmarkt eher in Sachen Anwendungsszenarien kannibalisiert", erklärt IDC-Analyst Larysa Yolkina. Wieder zulegen dürften ihrer Ansicht nach eher klassische Notebooks - weil auch Tablets billiger werden.

Der allmähliche Vormarsch der Tablet-PCs macht der klassischen Computer-Industrie immer mehr zu schaffen. Zuletzt hat das Geschäft der Hersteller sowohl im Desktop- als auch im Notebook-Segment stark gelitten. Marktforscher wie die Experten bei IHS iSuppli führen die schrumpfende Nachfrage auf den Erfolg von iPad und Co zurück. Sie nagen zunehmend am Kuchen der PC-Branche. Ihre steigende Verbreitung wird auch am Erfolg mit Tablet-Apps sichtbar. Laut In-Stat klettern die Software-Umsätze schon bis 2015 auf über 15 Mrd. Dollar.
Ökonomische Veränderung findet statt

"Der PC wird definitiv nicht von Tablets verdrängt werden", sagt Mark Wächter, Vorsitzender der Fachgruppe Mobile im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). Vielmehr bieten Tablets aber ein zusätzliches Nutzungsszenario an. "Deswegen gelten Tablets als eine logische Ergänzung für die Handys und Smartphones im Sinne der Mobilität", erklärt Wächter. In der Gesellschaft müssen Tablets - um dem PC nahe zu kommen - erst auf eine breite Akzeptanz stoßen.

Eine Veränderung auf ökonomischer Ebene findet dennoch statt. "In der sogenannten Pocketphilosophie, wenn ein Verbraucher eine Summe von 500 Euro in das breite Thema Computer investieren möchte, gehen die Desktopzahlen entsprechend zurück, wenn mit dieser Investition ein Tablet gekauft wird", so Wächter.

Rückgang vor allem bei privaten Verbrauchern
Die Computer-Branche gerät im Wettstreit mit den Geräten zunehmend unter Druck. Im ersten Quartal ist der weltweite PC-Absatz um 0,3 Prozent auf 81,3 Mio. Geräte geschrumpft. Drei der fünf größten Hersteller mussten gegenüber dem Vorjahr teils kräftige Verluste hinnehmen. Nach iSuppli-Angaben sanken die Verkäufe etwa bei Acer um mehr als ein Fünftel auf nur mehr rund 9,2 Mio. Einheiten. Mit seiner starken Präsenz im Netbook-Bereich bekommt der Hersteller den Gegenwind durch die Tablets direkt zu spüren.

Bei Unternehmen besteht nach wie vor eine starke Nachfrage nach PCs. Im letzten Quartal konnte sie den Rückgang bei Verbraucher-Verkäufen aber nicht kompensieren. Noch ist laut IHS zwar ungewiss, wie stark die Tablets der PC-Industrie schaden. Allein die kräftig steigende Zahl der angebotenen Modelle stellt die Branche aber schon in diesem Jahr vor ein schwieriges Umfeld. Dennoch gehen die Experten von einer Rückkehr auf den Wachstumskurs bei Computern aus. Der Markt soll 2011 um acht Prozent auf 373 Mio. Geräte zulegen. 2010 ist der Absatz jedoch noch um 14 Prozent gestiegen.

Apple behält Marktdominanz
Der noch junge Tablet-Markt ist zwar eng mit dem bereits stärker etablierten Smartphone-Geschäft verknüpft. In-Stat zufolge wird er sich aber weiter emanzipieren und in den kommenden Jahren eine eigene Identität entwickeln. Allein bei reinen Tablet-Anwendungen orten die Experten daher ein Milliarden-Potenzial nach oben. Apple wird seine Dominanz in dem Markt behalten, angesichts zunehmender Konkurrenz durch Android und andere Betriebssysteme aber ähnlich dem Smartphone-Segment Anteile verlieren. (pte/red)