Science-Fiction könnte bald real werden:
Fusion von Computer und Brille rückt näher

Tragen wir bald das, was heute vor uns auf dem Schreibtisch steht, auf der Nase? Und tun wir das, wofür wir heute Maus und Tastatur verwenden, in Zukunft mit flinken Bewegungen der Augen? Wenn es nach den Erfindern von Datenbrillen geht, dann ja. „Spectacles“ etwa, ein Modell, das an der Linzer Kepler Universität (mit)entwickelt wurde, könnte Feuerwehrleuten zeigen, wo bei einem Brand noch Menschen eingeschlossen sind, aber auch Jogger über ihren Pulsschlag und die zurückgelegte Strecke oder Touristen beim Stadtbummel über Sehenswürdigkeiten informieren.

Ähnlich funktioniert die Brille, die von Forschern des deutschen Fraunhofer Instituts vorgestellt wurde. Bei dem Prototyp sitzt ein Chip auf dem Bügel der Brille. Von dort aus wird das Bild des Mikrodisplays auf die Netzhaut des Trägers projiziert und ist in zirka einem Meter Entfernung zu sehen. Damit es auch vor einem unruhigen Hintergrund gut sichtbar ist, werden organische Leuchtdioden (OLEDs) verwendet, die für eine besonders hohe Leuchtdichte sorgen.

Mit einem Augenzwinkern…
Die Wissenschaftler am Fraunhofer Institut arbeiten schon an der nächsten Entwicklungsstufe, dem sogenannten Eye-Tracking. Dabei soll es durch gezielte Bewegungen der Augen oder durch Fixieren eines bestimmten Punktes möglich werden, Elemente auf dem „Brillendisplay“ zu verschieben und in Menüs zu blättern. Das hätte immense Vorteile in Situationen, wo jemand Informationen braucht, aber die Hände nicht frei hat, um eine Tastatur oder Maus zu bedienen. Beispiel: Ein Arzt könnte während einer Operation die Röntgenbilder des Patienten durchschauen.

Das Aus für Babylon
Von der Idee her etwas anders, aber nicht minder faszinierend soll die Übersetzerbrille werken, die das japanische Hightech-Unternehmen NEC präsentierte. Ihr „Tele Scouter“ hat keine Linsen, sondern ein kleines Gerät vor dem linken Auge. Wenn sich zwei Menschen in verschiedenen Sprachen unterhalten, nimmt ein Mikrofon das Gespräch auf. Jeder Satz wird übersetzt und von dem Gerät als Schrift auf die Netzhaut des Gegenübers projiziert. Zusätzlich kann die Übersetzung auch noch über Kopfhörer empfangen werden. „Das Gerät kann für eine flüssige Unterhaltung von Menschen mit verschiedenen Muttersprachen sorgen“, meint Takayuki Omino von NEC. Außerdem könnte es hilfreich bei vertraulichen Gesprächen sein – etwa zwischen Politikern auf internationaler Ebene, weil kein Dolmetscher mehr nötig ist. NEC will die Brille noch dieses Jahr in Japan auf den Markt bringen..

Gute Nachricht für schlechte Augen
Auch für Menschen, die schlecht sehen, gibt’s was Neues: Eine Brille von PixelOptics und Panasonic, die sich dank einer Kombination aus elektronischen und chemischen Verfahren an die Bedürfnisse des Trägers anpasst und die üblichen Gleitsichtbrillen ersetzen könnte. Dabei soll es egal sein, welcher Teil des Glases gerade im Blickfeld ist – die Brille passt sich automatisch an, und zwar so schnell, dass es der Träger gar nicht merkt. Die elektronische Brille soll noch heuer auf den Markt kommen.

(E-MEDIA/Kröll)

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