Microsoft - Süßer die Kassen nie klingeln:
Konzern steigert Gewinn auf 3,9 Mrd. Euro

Der US-Softwarekonzern Microsoft hält seine Rivalen Apple und Google im Zaum. Der Marktführer erzielte im vergangenen Quartal einen deutlich höheren Umsatz mit seinen neuen Betriebs- und Office-Programmen und stellte damit seine Wettbewerbsfähigkeit unter Beweis. Allein das Flaggschiff Windows 7 verkaufte der Konzern seit dem Start vor einem Jahr rekordverdächtige 240 Millionen Mal. Die beiden Programmserien steuerten 60 Prozent des Umsatzes und mehr als 80 Prozent des Gewinns bei. Microsoft steigerte seinen Überschuss zum Auftakt des Geschäftsjahres um gut die Hälfte auf 5,4 Milliarden Dollar (3,9 Mrd. Euro).

"Die Todesnachrichten über Windows oder Office waren verfrüht", sagte Colin Gillis von BGC Financial angesichts der am Donnerstag nach US-Börsenschluss vorgelegten Bilanz. "Die Kunden haben in diesem Quartal für die Programme zehn Milliarden Dollar ausgegeben. Der Doppel-Motor funktioniert noch immer."

Experten waren zuletzt davon ausgegangen, dass Apple mit seinem Klein-Computer iPad ein gutes Stück aus dem Microsoft-Kuchen herausschneidet. Ende Mai löste der Hersteller von iPhones und iMacs den Softwareriesen als weltgrößtes Technologie-Unternehmen nach Marktwert ab. Zudem hielten sich die Zweifel, wie gut sich der Platzhirsch gegen neue Konkurrenten wie den Suchmaschinenbetreiber Google wehren kann, der in den Markt für Betriebssysteme vorgestoßen ist. Trotz einer Verdopplung von Absatz und Gewinn in den vergangenen acht Jahren mieden Investoren die Microsoft-Aktie und bescherten ihr allein in diesem Jahr einen Kursverlust von 14 Prozent. Nach Vorlage der Quartalszahlen legte das Papier nachbörslich drei Prozent zu.

Online-Dienste weiterhin schwächelnd
Schwächster Punkt des Geschäfts in den vergangenen drei Monaten waren die Online-Dienste, zu denen die Suchmaschine Bing und das Portal MSN gehören. Der Verlust der Sparte weitete sich um 17 Prozent auf 560 Millionen Dollar aus. Microsoft hat hier massiv investiert, um zu Marktführer Google aufzuschließen. Zudem arbeitet der Konzern im lukrativen Geschäft mit Internet-Anzeigen inzwischen mit Yahoo zusammen. Trotzdem verlor die Sparte in den vergangenen fünf Jahren sechs Milliarden Dollar. Dass dem Konzern hier keine Trendwende gelingt, löste unter Experten Kopfschütteln aus: "Microsoft braucht demnächst eine weitere Säule für sein Geschäft, und der Markt für Online-Anzeigen ist groß genug dafür", sagte Andrew Miedler von Edward Jones.

Im ersten Quartal stieg der Gesamtumsatz um 25 Prozent auf 16,2 Milliarden Dollar. Das war - wie der Gewinn - mehr als von Experten erwartet. In dem Eingeständnis, dass die Boomzeit der 90er Jahre nicht zu wiederholen ist, hat Microsoft im vergangenen Jahr einen Sparkurs eingeschlagen: Der Konzern strich fast 6.000 Stellen und teilte seinen nun noch knapp 89.000 Beschäftigten mit, dass sie erstmals ab 2013 Beiträge zu ihrer Krankenversicherung leisten müssen. (apa/red)