F1 2011
"Wir sind verrückt nach Formel 1": Senior Producer Paul Jeal im Interview zu F1 2011
Am 23. September erscheint mit F1 2011 die zweite offizielle Renn-Simulation von Codemasters zum Formel-1-Zirkus. Unter dem Motto Sei der Fahrer, lebe den Mythos und stell dich dem Wettkampf werden zahlreiche Verbesserungen des Vorgängers versprochen, darunter optimiertes Handling inklusive KERS und DRS, intelligentere Computer-Gegner und ein massiver Ausbau der Mehrspieler-Eigenschaften. NEWS.AT konnte F1 2011 am Nürburgring in Deutschland bereits anspielen und hat sich mit Senior Producer Paul Jeal über das neue Spiel für Konsole und PC unterhalten.
NEWS.AT: Eine maßgebliche Verbesserung von F1 2011 ist Ihren Aussagen zufolge die verbesserte künstliche Intelligenz (K.I.) der Fahrer. Wie haben Sie dieses Vorhaben umgesetzt?
Paul Jeal: Bei F1 2011 konnten wir hinsichtlich Handling bereits auf die Vorarbeit von F1 2010 aufbauen und hatten somit für die K.I. viel mehr Zeit. Wir haben das System auch mit Runden von Anthony Davidson (F1-Testpilot, Anm. d. Red.) gefüttert, die er auf den F1-Rennstrecken absolviert hat. Diese Daten wurden in einer ersten Phase als Basis hergenommen und an die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade angepasst.
In einem weiteren Schritt haben wir versucht, die persönlichen Fahrstile der F1-Fahrer im Spiel umzusetzen. Fahrer wie Alonso, Hamilton und Schumacher nehmen etwa kleinere Lücken beim Überholen in Kauf und sind im Verhalten generell ein wenig aggressiver. Oder wenn man Seite an Seite mit Kobayashi fährt, sollte man damit rechnen, dass er eher nicht zurückweichen wird.
NEWS.AT: Sind Fahrer aus dem aktuellen F1-Zirkus auch schon mit F1 2011 gefahren?
Paul Jeal: Ja, ziemlich viele sogar: Sebastian Buemi, Adrian Sutil, Lewis Hamilton, Karun Chandhok, Bruno Senna. Und nicht nur die Fahrer: Wir haben auch eine Menge Feedback von F1-Technikern und -Strategen bekommen. Wir haben daraus resultierend ein Feature eingebaut, das dem Spieler via Onscreen-Anzeige voraussagt, in welcher Position er das Rennen wahrscheinlich fortsetzen wird, wenn er in der Runde in die Box fährt. Diese Neuerung basiert auf Kalkulationen, die F1-Techniker angestellt und mit uns geteilt haben. So geschieht es auch auf der echten Rennstrecke. Es war einfach brilliant, diese Unterstützung zu genießen.
NEWS.AT: Wieviel Realismus steckt Ihrer Meinung nach in F1 2011?
Paul Jeal: Intern sind ein paar unserer Jungs nervös geworden, als wir heuer das Handling-Modell überarbeitet haben. (lacht) Viele Leute sind der Ansicht, dass Rennspiele schwieriger werden, je mehr sie Richtung Simulation tendieren und werden dadurch oft abgeschreckt. Ich würde eigentlich argumentieren, dass F1 2011 einfach zu fahren ist, gerade weil sich das Fahrzeug so verhält wie es das in Realität sollte.
Es ist interessant zu beobachten, dass die Tester hier instinktiv reagieren und den Boliden wieder auf Spur bringen können, sobald er zu übersteuern beginnt. Da wir die Technologie für die Federung massiv überarbeitet haben, kann man förmlich fühlen, was das Fahrzeug macht. Das wird den Simulations-Fans natürlich enorm viel Freude bereiten. Auf der anderen Seite denke ich, haben wir heuer die Balance auch so gut hinbekommen, dass man weder unbedingt ein Lenkrad benötigt noch Rennspiel-Profi sein muss, um F1 in vollen Zügen genießen zu können.
NEWS.AT: Was sehen Sie als größte Verbesserung in F1 2011 im Vergleich zum Vorgänger?
Paul Jeal: (lacht) Ganz klar das Handling, das Renn-Erlebnis. Man kann die Saison konsequenter angehen, man hat die Zeit, um darüber nachzudenken, was man tut, und man hat in Form von KERS und DRS neue Spielzeuge, um direkter ins Renngeschehen eingreifen zu können. Nicht zuletzt wegen des überarbeiteten Modells zur Reifenabnutzung muss man sich auch wirklich Gedanken zur Rennstrategie machen.
NEWS.AT: Kratzt F1 2011 bereits am Limit der aktuellen Konsolen-Hardware?
Paul Jeal: Wir sind ziemlich am Limit, was den Arbeitsspeicher betrifft. Insbesondere wenn die Strecke geladen und die Garage gestartet, macht sich das bemerkbar. Wir rendern dabei die 24 F1-Boliden, die Zuschauer, die Strecke und berechnen die Wetterbedingungen, das ist schon eine Menge. Aufgrund des geringen Arbeitsspeichers können wir beispielsweise auch in der Boxengasse entweder Pit- oder Garagen-Crew, aber nicht beides gleichzeitig darstellen. Das ist eigentlich die einzige Einschränkung.
NEWS.AT: Was sind die Unterschiede zwischen Konsolen- und PC-Version?
Paul Jeal: Im Moment gibt es eigentlich kaum welche, da wir die drei unterschiedlichen Versionen parallel entwickeln. Wenn man einen High-End-PC besitzt, wird das Spiel aber natürlich ein besseres Erlebnis liefern. Wir haben Direct X11 ja schon im letztjährigen Patch von F1 2010 präsentiert, also werden Jungs, die eine Spitzen-Grafikkarte im Rechner haben, das Spiel auch dementsprechend mit der höchstmöglichen Detailstufe laufen lassen können. Und natürlich ist die Bildwiederholrate am PC nicht gesperrt: Auf Konsolen läuft das Spiel ja nur mit 30 Bildern pro Sekunde. Auf einem Demo-PC bei uns im Studio läuft das Spiel mit 80 bis 90 Bildern pro Sekunde. Der höhere Spielfluss hat gewissermaßen auch einen Einfluss auf das Renn-Erlebnis, die K.I. etwa fällt schneller und dadurch auch mehr Entscheidungen.
NEWS.AT: Darf man in F1 2011 endlich mit dem Einsatz von Safety Cars rechnen? Das Feature ist letztes Jahr vielen Spielern abgegangen
Paul Jeal: Das sehen wir ähnlich und das ist etwas, was wir prinzipiell auch umsetzen wollen. Es ist aber nicht so leicht, Safety Cars einfach zu implementieren, zumal sie nicht in unserer Lizenz enthalten sind. Auch wollen wir das Feature erst dann bringen, wenn wir glauben, dass es gut genug ist.
NEWS.AT: Das Problem liegt also in erster Linie an der fehlenden Lizenz?
Paul Jeal: Ja, das ist definitiv der Grund, warum das momentan noch nicht in Frage kommt, sie ist noch nicht unterzeichnet.
NEWS.AT: Liegt das an Mercedes? (Der SLS AMG ist offizielles Safety-Car der F1, Anm. d. Red.)
Paul Jeal: Wie bei den meisten lizenzbezogenen Angelegenheiten sind auch hier mehrere Parteien involviert: F1-Management, Mercedes und AMG haben alle ein Mitspracherecht, was Wagenaufkleber, Sponsoren, Aussehen und Fahrzeug-Handling betrifft. Wir haben noch ca. sechs Wochen Entwicklungsarbeit im Studio vor uns - Wenn die Version im Handel ist, werden wir sehen, ob es das Safety Car schon heuer oder erst nächstes Jahr ins Spiel schafft.
NEWS.AT: Es ist also kein technisches Hindernis?
Paul Jeal: Nein, es ist ein zusätzliches Fahrzeug, das gerendert werden muss. Da gibt es eigentlich keine besonderen technischen Herausforderungen. Wir wissen, wie wichtig das für die Fans ist, und die Zahl der Leute, die mittlerweile danach fragen, bestärkt uns eigentlich darin, dass wir es richtig und rechtzeitig hinbekommen wollen.
NEWS.AT: Haben Sie bereits eine Wunschliste für F1 2012?
Paul Jeal: Ja, wir haben das tatsächlich schon für 2012. Auch für 2013, 14, 15, 16 und 17 (lacht). Bei uns im Studio sind so viele mich inbegriffen - wirklich verrückt nach Formel 1, dass uns die Ideen gar nicht ausgehen. Wir halten uns damit auch sicherlich nicht zurück, es ist nur so, dass wir die Qualität der Features der Quantität vorziehen. Das Design für nächstes Jahr ist übrigens auch nicht mehr meilenweit davon entfernt, abgeschlossen zu werden. Es lässt aber noch genug Spielraum zu, um das Feedback von Community und Presse zu F1 2011 zuzulassen.











