Gran Turismo 5 für Playstation 3 im TEST:
Ein virtueller Traum für Auto-Fetischisten
- Nachfolger kommt nach 5 Jahren endlich aus der Box
- Simulationsreferenz mit einigen "Kratzern am Lack"

Nach mehr als fünf Jahren Entwicklungszeit ist es endlich so weit: Mit Gran Turismo 5 (GT5) ist der neueste Wurf von Entwickler Polyphony Digital nach mehreren Verzögerungen endlich an die Startlinie gerollt. Bei über 1.000 fahrbaren Modellen und einer Myriade an einstellbaren Fahrzeugparametern und Herausforderungen schlägt das Herz von Vierrad-Enthusiasten vor Freude an den Plafond, bei Bleifüßen und "Gelegenheits-Schumachern" hingegen dürfte der Motivations-Motor nach wenigen Stunden absaufen. Warum das so ist, erfahren Sie in folgendem Check.
Die Stimmung ist beim Einlegen der Disc zum Zerreißen gespannt: Wie schnell wird hier wohl der Suchtfaktor von GT4 erreicht? Wurden die Ansätze aus dem Vorgeschmack von GT5 Prologue konsequent fortgesetzt? Kann das finale Produkt halten, was die Trailer-Appetizer im Vorfeld versprochen haben? Dann die Enttäuschung: Als ob es zur mahnenden Erinnerung eine Miniaturisierung der Release-Verzögerungen wäre, heißt es erneut rund 45 Minuten warten, bis das Spiel installiert ist und Updates runtergeladen sind.
Tauchgang im Blech-Ozean
Dann ist es aber wirklich so weit: Mit einem beeindruckenden Intro wird ein Auto-Universum losgetreten, das hinsichtlich Umfang seinesgleichen sucht. Neben Arcade-Modus, GT-TV und sogar einem Strecken-Editor (!) ist dabei der GT-Modus der Motor des Spiels. Hier werden Karriere, Herausforderungen, Fahrzeughandel, Werkstatt, Online-Welt und nicht zuletzt die berühmt-berüchigte Fahrschule (Techniktraining) zusammengefasst. Nach jeder bewältigten Aufgabe erhält der Spieler einerseits Credits (Geld) für neues Equipment in Form von Fahrzeugen und Tuningteilen. Andererseits steigen dadurch auch die Erfahrungspunkte, die neue Herausforderungen und Spiel-Features freischalten. Eines steht damit jedenfalls fest: Hier kann und muss man etliche Stunden verbringen, will man die Vorzüge des Spiels annähernd auskosten.
Während vieles großteils aus Vorgängern bekannt ist, stellt der Online-Modus für die Serie eine Innovation dar. Leider aber nicht dessen Umsetzung, denn Serverausfälle, umständliches Einladen von Freunden via Code und fehlende Rankings machen diesen Modus noch ziemlich wertfrei, um es höflich auszudrücken. Das war wohl nix. Aber: Laufende Updates sollen diese Baustelle sukzessive verbessern. Man darf gespannt sein.
Absolut fahr-tastisch
Stichwort "etliche Stunden": Einmal mehr fängt selbst der geübteste GT-Fahrer klein an. Bevor man also nicht mit dem "Auto des Yaris", Mini Cooper und Co brav seine Runden gedreht hat, darf man im Karriere-Modus erst gar nicht ran an die großen Kaliber. Das kann nützlich sein, um etwa anfangs abzustimmen, ob und welche Fahrhilfen man benötigt, oder interessant sein, um sukzessive die penibel ausgearbeiteten Unterschiede im Fahrgefühl der Fahrzeugklassen zu erleben. Aber auch nervig, weil die Vorfreude aufs Punkte-/Credits-Sammeln mit Lamborghini und Co. ein bisschen gar zu sehr in die Länge gezogen wurde.
Fast schon bevormundet fühlt man sich auch durch den Umstand, dass sowohl Grad des Schadensmodells als auch die Intelligenz der virtuellen Konkurrenten erst ab späteren Erfahrungsstufen richtig in Schwung kommen. Warum zu Beginn mit Reizen knausern? Wieso nicht von Anfang an Blechsalat und knackige Gegner - zumindest optional - verfügbar machen? Die Entscheidung der Entwickler, wieder die volle Lernkurve durchlaufen zu müssen und nicht an einem "beliebigen Punkt" einsteigen zu können, mündet gerade zu Beginn häufig in Langeweile. Kombiniert mit den langen Ladezeiten zehrt das stark an der Geduld.
Wer aber genügend Beharrlichkeit am Konto hat (und idealerweise ein Lenkrad sein Eigen nennen darf), wird reichlich belohnt. Keine andere Renn-Simulation schafft es derzeit nämlich, die Auswirkungen unterschiedlicher Streckenverhältnisse und Fahrzeugeinstellungen so präzise und glaubwürdig auf den Bildschirm zu zaubern. Von Geschwindigkeitsgefühl über Bodenhaftung bis zum Verschleiß von Materialien/Flüssigkeiten am Fahrzeug wird (fast) alles berücksichtigt, was simuliert werden kann. Mit Controller recht gut, hinterm Lenkrad schlichtweg fantastisch.
Licht und Schatten
Um spielerisch auf Hochtouren zu kommen, braucht GT5 also zahlreiche Aufwärmrunden. Aber was gibt es visuell her? Hinsichtlich Präsentation könnte GT5 salopp formuliert als 1000-PS-Motor bezeichnet werden, der gelegentlich unter Totalaussetzern leidet. Denn so wie es für Fahrzeuge hinsichtlich Ausarbeitung eine offizielle und erkennbare Unterscheidung zwischen Standard- und Premium-Modellen gibt, könnte man meinen, dass dieses Prinzip auch auf die Strecken angewandt wurde. Immerhin: Gekonnte Beleuchtung und unterschiedliche Witterungsverhältnisse können gelegentlich die lieblose Umsetzung mancher Strecken kaschieren. So oder so muss man sich leider mit recht langen Lade-Bildschirmen begnügen.
Auf einem 3D-Fernseher konnte auch die 3D-Funktionalität des Titels ausprobiert werden. GT5 in 3D klingt aber weitaus spannender als es in der Realität ist und kann eher als nettes "Zuckerl" für zwischendurch betrachtet werden: Zum einen liegt es daran, dass es sehr subtil verwendet wird und das Plus an Räumlichkeit minimal mehr zur positiven Z-Achse tendiert - das Geschehen also nur noch ein wenig stärker in den Bildschirm ragt. Zum anderen verhindern leichtes Ghosting und eine schwächere Bildwiederholrate, dass man im 3D-Modus wichtige bzw. schwierige Rennen fährt.
NEWS.at-FAZIT
GT5 ist definitiv ein Must-Have für Auto-Fetischisten: Keine andere Simulation weist so viel Detailverliebtheit auf, was die glaubwürdige Umsetzung des Fahrgefühls betrifft. Von den (justierbaren) Fahrzeugparametern über die Polygon-Treue der Premium-Modelle bis zur authentischen Geräuschkulisse, die je nach Perspektive korrekt wiedergegeben wird, lässt Polyphony Digital diesbezüglich keine Wünsche offen. Zu schade, dass offensichtlich die meiste Zeit der Entwicklung ausschließlich darin investiert wurde, denn die Gratwanderung zwischen besagtem Auto-Fetischismus und dem Punkt, wo er für viele in Masochismus übergehen dürfte, ist recht schmal ausgefallen.
Für Kratzer am Lack der spielerischen Vorzeige-Simulation sorgen nämlich ein schwerfälliger Beginn, eine teils angestaubte Präsentation, und ein (noch) nahezu indiskutabler Online-Modus. Abgesehen von der nicht nachvollziehbar durchwachsenen Grafik, die zwischen GT4-Niveau und Fotorealismus schwankt, benötigt man - nicht zuletzt wegen der langen Ladezeiten - viel Sitzfleisch um in den Genuss aller GT5-Features zu kommen. Und idealerweise auch noch ein Lenkrad.
(Benjamin Brandtner)
Wertung: GUT![]()
Info
System: Playstation 3
Genre: Renn-Simulation
Entwickler: Polyphony Digital
Publisher: Sony
Erhältlich: ab sofort
Preis: rund 60 Euro











