Krisenstimmung bei Billighändler Schlecker:
Diskonter zahlt keine Überstunden mehr aus
- Deutschland: Rund 32.000 Angestellte betroffen
- Kunden laufen dem Marktführer zunehmend davon

Bei der deutschen Drogeriemarktkette Schlecker ist nach Gewerkschaftsangaben ein Streit um Überstunden entbrannt. Der Marktführer zahle den Beschäftigten seit diesem Monat keine Überstunden mehr aus und verstoße damit gegen den Tarifvertrag, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi.
Einem Bericht der "FAZ" zufolge erfuhren die Beschäftigten auf ihrer Gehaltsabrechnung, dass ihre Überstunden nicht wie sonst ausbezahlt, sondern in ein Mehrarbeits-Depot überführt würden. "Da fast alle Schlecker-Mitarbeiter nur teilzeitbeschäftigt sind, sind sie besonders auf das Geld angewiesen", sagte der Verdi-Unternehmensbeauftragte Achim Neumann. Die Überstunden seien bundesweit und ohne Vorankündigung oder Begründung nicht ausbezahlt worden.
"Die Mitarbeiter waren überrascht und empört", berichtete Neumann. Bis zu diesem Monat seien die Stunden ausbezahlt und nur auf Wunsch der Mitarbeiter in Freizeit abgegolten worden. Betroffen seien rund 32.000 Schlecker-Angestellte. Offenbar wolle das Unternehmen Personalkosten einsparen, vermutet Neumann. Dieses Verhalten führe jedoch zu dem neuen Problem, dass durch den Abbau von Überstunden Personal in den Filialen fehle.
Verdi will nun versuchen, eine Einigung mit dem Unternehmen zu erzielen. "Wir ermutigen die Betriebsräte, ihre Mitbestimmungsrechte wahrzunehmen", sagte Neumann. Die Gewerkschaft verlangt von Schlecker, die nicht gezahlten Gelder im Nachhinein auszubezahlen.
Kunden fliehen in Scharen
Auch in Österreich sind sich Gewerkschaften und Schlecker nicht grün. Akute Konflikte wegen Überstunden gäbe es zwar nicht, erklärt Karl Proyer, Chef der Angestelltengewerkschaft GPA, der Presse. Aber die könne sich Schlecker Österreich sparen, weil man dem Betriebsrat eine sehr schräge Vereinbarung abgerungen habe, die Mitarbeiter um den gesetzlichen Zuschlag prellt, wird Proyer weiter zitiert.
Die schlechte unternehmensinterne Stimmung scheint auch der Kundschaft nicht verborgen zu bleiben. In den ersten vier Monaten von 2010 hat der Diskonter in Deutschland 16 Prozent Umsatz einbüßen müssen, wie die GfK-Marktforschung errechnet hat. Auch in Österreich befindet sich Schlecker auf Rückzugsgefecht: In den letzten zwei Jahren wurden 100 Filialen geschlossen. Im ersten Halbjahr 2010 ging der Umsatz um sieben Prozent zurück. (apa/red)











