"Der Spielemacher" - Ein Roman für Gamer?
Die Buchkritik zum neuen Wirtschaftskrimi

Wie bringt man passionierte Gamer dazu, auch mal ein Buch in die Hand zu nehmen? Johannes Ulbricht, Rechtsanwalt und Autor, hat die vermeintliche Antwort gefunden: Mit einem Roman vor dem Hintergrund der Spielebranche natürlich! Der Spielemacher ist vor kurzem im CSW-Verlag erschienen und erzählt die Geschichte eines begeisterten Computerspielers, der sein Hobby zum Beruf macht, erste Erfolge feiert aber bald feststellen muss, dass in der Branche mit unfairen Mitteln gekämpft wird und alte Freunde sich mitunter als erbitterte Feinde entpuppen.
Kurz: Ein Wirtschaftskrimi in der Spielebranche. Zunächst widmet sich das Buch aber der Jugendzeit von Stephan, dem Protagonisten der Geschichte. Stephan wächst in den 80ern auf dem Land auf. Da gibt es viel Natur, aber nur wenige Freizeitbeschäftigungsmöglichkeiten. Als Ausweg sucht sich der Teenager ein Projekt. Es ist ein Computerspiel, das er gemeinsam mit einem Freund programmieren möchte und das alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen soll. In diesem gefühlten ersten Drittel des Buches passiert nicht viel. Paradoxerweise ist es trotzdem jener Teil, der am stimmigsten wirkt. Kindheitsidylle in den 80ern mit Ausflügen zum See und grob-pixeligen Computerspielen manch einer mag sich da an die eigene Kindheit zurückerinnert fühlen. Die Phasen der Firmengründung und des beruflichen Aufstiegs lesen sich dagegen deutlich trockener.
Ein Hauptproblem des Buchs ist dabei der über weite Strecken holprige Schreibstil. Egal ob Stephan gerade potenziellen Investoren sein Spiel präsentiert oder seine Freundin zu einem Ausflug aufs Land überreden möchte: Sobald der Protagonist den Mund aufmacht, wirkt das so authentisch wie eine sorgfältig auswendig gelernte Festansprache. Die Story wird ab einem gewissen Punkt vorhersehbar und leidet darunter, dass der Autor einen möglichst authentischen Einblick in den eher trockenen Geschäftsalltag der Branche geben will. Da bleibt naturgemäß wenig Raum für überraschende Storywendungen. Als Geheimtipp oder Standardwerk wird Der Spielemacher nicht in die Annalen der Videospielliteratur eingehen. Gameaffine Leseratten, die einen Blick hinter die Kulissen der Industrie riskieren, mögen sich dennoch ganz passabel unterhalten fühlen.
Der Spielemacher ist im CSW-Verlag erschienen und kostet 17,49
(E-MEDIA/Huber)











